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"Das Ende der Wahrheit": Die Gier nach Macht und Geld

In "Das Ende der Wahrheit" bekommt ein Zentralasien-Experte beim BND Zweifel an seiner Mission - 09.05.2019 08:00 Uhr

Ronald Zehrfeld gerät als BND-Mann Martin Behrens in ein Netz aus Intrigen. © Prokino


Selbst wenn eine komplexe Erzählstruktur und viel Personal anfangs die volle Konzentration des Zuschauers fordern, entspinnt sich hier nach und nach eine klug gesetzte Handlung, die mit Drama, Spannung und emotionaler Wucht starke Sogkraft entwickelt. Daneben überzeugt die atmosphärisch gelungene Optik ebenso wie die großartigen Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld und Alexander Fehling.

Zehrfeld spielt den Analysten Martin Behrens, der beim BND für Vorderasien zuständig ist. Doch statt ihn unmittelbar als taffen Agenten einzuführen, zeigt ihn der Film erst mal in einem Ferienhäuschen an einem idyllischen oberbayerischen Waldsee, wo er mit seiner neuen Freundin, der Investigativ-Journalistin Aurice, eine Nacht verbringt. Erst danach sieht man ihn als knallharten Ermittler, der, als Übersetzer getarnt, in München einen afghanischen Asylbewerber zur Preisgabe von brisanten Informationen zwingt. Privatleben und Job, Gefühl und Kalkül – Zehrfeld vermittelt überaus lebensecht, wie zermürbend es für seine Figur ist, zwischen den beiden Polen eine Art von Balance zu finden.

Ein Zerrissener ist Behrens auch bald innerhalb des BND, an dessen Integrität er einst geglaubt hat. Als er seine Verhör-Informationen an die CIA weiterleitet, starten die Amerikaner von Rammstein aus einen Drohnen-Angriff auf eine Terrorzelle in Nahost. Kurz darauf folgt ein Vergeltungs-Anschlag in einem Münchner Café. Unter den Opfern ist – vermeintlich zufällig – auch Aurice, die über die Rolle des BND beim Drohnenangriff und seine Verstrickungen mit der Waffenlobby recherchierte. Behrens wittert einen Zusammenhang. Und so wie sich die Geschichte für ihn langsam aufdröselt, wird sie auch für den Zuschauer immer klarer – und aufwühlender.

Behrens' Gegenspieler in diesem Fall, in dem Lügen zuverlässiger sind als Wahrheiten, ist sein Vorgesetzter Lemke. Der wird erst spät feststellen, dass er auf der falschen Seite steht. Toll gespielt wird Lemke von Alexander Fehling, der für die Rolle zu Recht den deutschen Filmpreis erhielt. In dem fiktiven Krisenstaat Zahiristan kommt es schließlich zum dramatischen Showdown. Und am Ende setzt Behrens seine Art der Gerechtigkeit durch. Gewalt und BND-Intrigen wird das nicht stoppen. (D/105 Min.)

Birgit Nüchterlein

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