Mittwoch, 23.10.2019

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"Burning": Drei sind einer zu viel

Beunruhigende Thriller "Burning" nach einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami - 06.06.2019 08:30 Uhr

Jong-su (li.) ist verliebt in Hae-mi, die wiederum mit Ben liiert ist. Szene aus dem Thriller "Burning". © Capelight Pictures


Hae-mi (Jeon Jong-seo) kennt den Träumer von früher, sie waren mal Nachbarn und Schulkameraden.

Unter einem Vorwand lockt sie Jong-su in ihre Mikro-Wohnung, in die nur einmal am Tag ein Sonnenstrahl fällt, und schläft mit ihm. Dann bricht sie zu einem Afrikaurlaub auf, Jong-su soll sich derweil um ihre Katze kümmern. Als sie zurückkehrt, hat sie Ben (Steven Yeun, "The Walking Dead") im Schlepptau: einen geleckten "Der große Gatsby"Typen, reich, hübsch, geheimnisvoll und selbstsicher, mit teurem Auto und Wohnung in bester Lage. Fortan gibt es Hae-mi nur noch mit Ben, der unserem schwer verliebten Helden immer einen Schritt voraus scheint. Doch auch in diesem Spiel sind drei einer zu viel – zumal dieser Ben obendrein ein so seltenes wie exklusives Hobby pflegt: Gewächshäuser abfackeln. Doch dann ist Hae-mi plötzlich spurlos verschwunden...

Aus der gerade mal zwanzig Seiten langen Kurzgeschichte "Scheunenabbrennen" des japanischen Star-Autors Haruki Murakami einen Zweieinhalbstunden-Film zu stricken, ist ambitioniert. Doch Regisseur Lee Chang-dong weiß, was er tut: Ruhig spinnt er sein Netz, zieht genüsslich die Fäden und erzählt sehr poetisch und mit aller gebotenen Ausführlichkeit seine kleine Geschichte, die von jener trägen, einlullenden Leichtigkeit getragen wird, die einem gerade in jungen Lebensjahren oft begegnet.

Traum und Wirklichkeit, Melancholie und Misstrauen verschwimmen in diesem obsessiven, beunruhigenden und atmosphärischen Mystery-Thriller aus Südkorea, in dem auf verschiedenen Ebenen ge- und verbrannt wird. Es geht um Politik und Gesellschaft, um Klassenunterschiede, Verlustängste und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die einem im Leben offenstehen.

"Burning" punktet mit intensiven Bildern, toller Charakterzeichnung und kleinen Überraschungen auf dem Weg. Einzig eine pfiffige Auflösung bleibt der Film schuldig, da kommt dann nach hinten raus nichts mehr. Wer auf einen finalen Kniff hofft, wird enttäuscht. Trotzdem gut. (Südkorea/148 Min.)

Stefan Gnad

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