Sonntag, 26.01.2020

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Mercedes GLE Coupé: Schwer sparsam

Plug-in-Hybrid mit Diesel – Starke AMG-Variante – Ab 76.279 Euro - 06.12.2019 15:53 Uhr

Mercedes GLE Coupé: Das 4,94 Meter lange SUV-Derivat ist eine stattliche Erscheinung - und bringt mindestens 2,3 Tonnen auf die Waage. © Hersteller


Mehr Coupé und mehr Sportlichkeit verspricht Mercedes für das neue GLE Coupé. Vor allem senkt der Plug-in-Hybrid im 350 de – verbrennerseitig mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Diesel bestückt - die Verbrauchs- und Abgaswerte. Mit von der Partie sind zudem die leistungsstarken Sechszylinder im 350 d und 400 d. Eine Sonderstellung nimmt das GLE 53 Coupé ein, das Spitzenmodell unter AMG-Regie. Alle Modellvarianten sind serienmäßig mit der Allradsystem 4Matic ausgerüstet. Die Fahrdynamik des Coupés steigern der gegenüber dem GLE SUV um 60 Millimeter verkürzte Radstand, die direktere Lenkübersetzung und die optionale Luftfederung. Nicht zuletzt sorgt das auf Wunsch lieferbare E-Active-Fahrwerk auf 48-Volt-Basis für mehr Dynamik und Komfort.

Schon optisch sind die großen SUVs nicht jedermanns Sache, das lässt sich nicht verschweigen. Die wuchtige Form mit dem ausladenden Heck ist hier zu nennen, auch wenn die Mercedes-Strategen beim neuen GLE Coupé von einer "Design-Ikone" sprechen. Funktionell ist die schmale Heckscheibe nicht gerade, sie schränkt den Blick nach hinten ein. Harmonisch fügt sich dagegen die flacher geneigte Frontscheibe ins Gesamtbild ein. Gut die serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer, eigenständig die schlanken, zweigeteilten Heckleuchten.

Großzügiges Platzangebot

Im Innenraum fühlen sich die Insassen wohl, nicht zuletzt wegen des großzügigen Platzangebots, der körpergerechten Sitze und der hohen Qualität von Material und Verarbeitung. Der Fahrer gewöhnt sich schnell an den riesigen Touchscreen, der an Raumschiff Enterprise erinnert und fast bis zur Beifahrerseite reicht.

Technisch einen großen Sprung nach vorne macht das Multimedia-System MBUX, dessen Herzstück das intuitive Bedienkonzept ist, allem voran die Sprachsteuerung. Sie zeigt ein außergewöhnlich hohes Verständnis für die formulierten Wünsche und Befehle, indem sie nahezu alle Sätze aus dem Infotainment-Bereich und der Fahrzeugbedienung erkennt. Zugleich ist MBUX lernfähig.

Cinemascope-Format: Widescreen-Cockpit mit MBUX-Multimediasystem. © Hersteller


Absolut reisetauglich fällt das Gepäckabteil mit seinen 655 bis 1800 Litern und der im Vorgängervergleich niedrigeren Ladekante aus. Auch bei der Plug-in-Version muss man sich nicht mit einem kleineren Volumen abfinden – und das, obwohl die Batterie unter dem Kofferraumboden liegt.

Der Dieselmotor im Plug-in-Hybriden 350 de leistet 143 kW/194 PS, der Elektromotor steuert 100 kW hinzu, macht insgesamt 235 kW/320 PS Gesamtsystemleistung. Zu den Sechszylindern: Das GLE 400 d Coupé bringt es auf 243 kW/330 PS und 700 Newtonmeter, der GLE 350 d auf 200 kW/272 PS und 600 Newtonmeter. Jeder der drei Motoren arbeitet vibrationsarm und leise. Alle Antriebe erfüllen schon die Abgasnorm Euro 6d (statt 6d-Temp), schalten über eine Neungang-Automatik und sind mit Allradantrieb kombiniert. Beim Plug-in wird dabei über alle vier Räder rekuperiert. Die Preispalette für die Dieselvarianten beginnt bei 76.279 Euro, was der 350 de kosten soll, hat Mercedes noch nicht kommuniziert.    

Fast 100 Kilometer rein elektrisch       

Auf einer Strecke über 80 Kilometer verbrauchte das GLE Coupé 350 de laut Bordcomputer rund 6,5 l/100 km - trotz der zweieinhalb Tonnen Gewicht und trotz ungünstiger Umstände wie den Temperaturen um den Gefrierpunkt und den längeren Bergaufstrecken. Als zweite Etappe unserer Probefahrt nahmen wir die Strecke von Hochgurgl nach Innsbruck unter die Räder. Sie umfasst gut 100 Kilometer, es geht überwiegend talwärts. Unter den Fahrprogrammen wählten wir die Einstellung "Electric", rein elektrisch also, sie ist über die Schaltwippen am Lenkrad zu aktivieren. Große Überraschung: Der GLE bewältigte die Strecke bis kurz vor dem Ziel ohne Einsatz des Verbrennungsmotors. Um das einzuordnen: Laut Werksangabe beträgt die rein elektrische Reichweite maximal 106 Kilometer. Erst ganz zuletzt sprang der Diesel an. Für die gesamte Strecke brauchte der 350 de laut Anzeige nur 0,7 Liter Kraftstoff.

Beide Messungen ergeben somit Werte, die selbst SUV-Kritiker nicht auf die Palme bringen dürften.

An der Strom-Tanke: Das GLE Coupé 350 de kombiniert als Plug-in-Hybrid Diesel und E-Motor. © Hersteller


Wird der 350 de gefordert, dann beschleunigt er in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht in der Spitze 210 km/h (elektrisch bis 160 km/h). Wer derart aufs Tempo drückt, muss sich freilich auf höheren Spritkonsum einstellen.

Und wie steht es ums Aufladen? An der Schnellladesäule (Gleichstrom) lässt sich der 350 de in schnellen 20 Minuten wieder zu 80 Prozent mit Strom befüllen. Per Wechselstrom zuhause an der Wallbox sind ist er in etwa vier Stunden von 10 auf 100 Prozent gebracht. Die Ladebuchse am Wagen selbst ist für Wechsel- und Gleichstrom kombiniert.

Performance pur sagen die AMG-Leute für ihren GLE 53 an. Der doppelt aufgeladene und mit einem elektrischen Zusatzverdichter versehene Dreiliter-Sechszylinder leistet 320 kW/435 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment. Zusätzlich werden vom EQ-Boost-Startergenerator kurzzeitig 16 kW/22 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment aktiviert. Daneben übernimmt er auch verschiedene andere Hybridfunktionen wie Rekuperieren und Segeln und lässt den Motor über das Start-Stopp-System geschmeidig anlaufen.

Der Topbenziner, der auch über die dynamisch ausgelegte Neungang-Automatik verfügt, wird im genormten Verbrauchsmix mit 9,3 l/100 km, entsprechend 212 g/km CO2-Ausstoß angegeben.

Kraftbolzen: Das 435 PS starke AMG GLE 53 Coupé markiert die leistungstechnische Spitze im Portfolio. © Hersteller


Die Leistungs-Eckdaten: 0 auf 100 in souveränen 5,3 Sekunden und 250 km/h Spitzentempo. Das GLE 53 Coupé kostet knapp 93.000 Euro, ist umfangreich ausgestattet, darunter mit der E-Active Body-Control. Das aktive Fahrwerk steigert Straßenlage und Komfort, indem es zusammen mit der Kurvenneigefunktion "Curve" Wank- und Nickbewegungen entgegenwirkt. AMG-spezifisch ist die aktive Wank-Stabilisierung "Ride Control auf 48-Volt-Basis. Wie in den engen Kehren der Hochalpen erkennbar, vermittelt sie ein vorzüglich exaktes und direktes Handling. Bis zu neun Fahrprogramme sind wählbar. Serie ist der aktive Bremsassistent, der aktive Lenkassistent wiederum erlaubt bis 60 km/h eigenständiges Fahren.      

Für die Sechszylinder-Diesel kann das aktive Fahrwerk übrigens ebenfalls geordert werden, freilich gegen Aufpreis. Serienmäßig ist in den "Basis"-Varianten das Stahlfederfahrwerk, optional die Luftfederung, die sich beim AMG serienmäßig an Bord befindet.

Ingo Reuss

Mercedes GLE Coupé in Kürze:

Wann er kommt: Zum Jahresbeginn 2020

Wen er ins Visier nimmt: BMW X6, Audi Q8, Porsche Cayenne Coupé

Was ihn antreibt: Dreiliter-Reihensechszylinder-Turbodiesel mit 200 kW/272 PS und 243 kW/330 PS, Dreiliter-Reihensechszylinder-Turbobenziner mit 320 kW/435 PS, Plug-in-Hybrid mit Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel (143 kW/194 PS) und Elektromotor (100 kW/136 PS)

Was er kostet: Ab 76.279 Euro

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