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Montag, 27.01.2020

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Ford Transit Custom und Tourneo Custom PHEV: Doppelt ladefreudig

Plug-in-Hybride mit 126 PS – Preise ab 57.114 Euro – Transporter und Kleinbus - 13.12.2019 17:08 Uhr

Ford Transit Custom PHEV: Der Plug-in-Hybrid erreicht rund 50 Kilometer rein elektrische Reichweite. © Hersteller


Dass ausgerechnet die verhältnismäßig schweren Transporter und Kleinbusse elektrifiziert werden, macht auf den ersten Blick keinen Sinn. Auf den zweiten indes schon. Denn Transporter befinden sich häufig im innerstädtischen Liefereinsatz, und auch für die Kleinbusse ist die City oft das bevorzugte Revier – dann nämlich, wenn sie als Shuttle Personen von hier nach dort transportieren. Weil in den Städten aber Fahrverbote für konventionelle Verbrenner drohen, kommt letztlich doch die Elektro-Technik ins Spiel.

Ford hat jetzt reagiert und bietet seinen Eintonner-Transporter Transit Custom als Plug-in-Hybrid (PHEV) an, auch die Personen-Variante Tourneo Custom bekommt den neuen Antrieb.

Wie die Plug-in-Technologie umgesetzt wird, ist dabei durchaus ungewöhnlich. Externe Lademöglichkeit für die Batterie, in diesem Fall über eine Ladebuchse im vorderen Stoßfänger – ja, das kennt man. Aber: Während bei den meisten PHEVs die Motoren parallel geschaltet sind, werden sie beim Transit und beim Tourneo seriell angeordnet, also in Reihe.

Serienmäßig im Transit PHEV an Bord: Das Infotainmentsystem Sync 3 mit Acht-Zoll-Touchscreen. © Hersteller


Fährt immer elektrisch

Der Antriebsstrang besteht aus einem Einliter-Ecoboost-Benziner, einem elektrischen Generator und einem Elektromotor. Insgesamt ergibt sich eine Systemleistung von 93 kW/126 PS. Der Benziner hat keine mechanische Verbindung zu den Rädern. Stattdessen liegt seine Aufgabe darin, als Range Extender den Generator anzutreiben, der wiederum Strom für die Lithium-Ionen-Batterie (Kapazität 13,6 kWh) und damit auch für den Elektromotor erzeugt. Ausschließich diese E-Maschine ist mit der Vorderachse verbunden. Heißt: Gefahren wird immer elektrisch.

Solange der Akku voll geladen ist, hat der Benziner Pause, Transit und Tourneo surren flüsterleise durch die Stadt. Erst wenn die Batterie leergesogen ist, schaltet sich der Verbrenner – recht vernehmlich -zwecks Stromproduktion zu. Nach Ford-Angaben passiert das beim Transit Custom PHEV Kastenwagen und auch beim Tourneo Custom PHEV erst nach etwa 50 Kilometern. In der Praxis muss der Benziner freilich schon nach 30 bis (bestenfalls) 40 Kilometern ran. Insgesamt (Spritvorrat 54 l) soll sich eine Reichweite von 500 km ergeben. Wenig realistisch auch der Normverbrauch von 2,7 bzw. 3,1 l/100 km, er gilt nur für die ersten (!) hundert Kilometer, wenn der Akku noch komplett voll ist. Auf ersten Testfahrten signalisierte uns der Bordcomputer 7,4 l/100 km.

Aufsparen für die Umweltzone

Durchstrukturieren lässt sich die PHEV-Fahrt über vier Fahrmodi, zu denen neben "Auto" (hier ruft der Computer den Verbrenner immer dann zum Dienst, wenn es sinnvoll erscheint) auch "EV Jetzt" (deaktiviert den Benziner), "EV Später" und "EV Aufladen" gehören. In letzteren beiden Modi wird der Akkuladezustand hoch gehalten bzw. die Batterie während der Fahrt bis zu 75 Prozent aufgeladen, damit später noch die emissionsfreie Fahrt durch eine Umweltzone möglich ist.

Zudem kann der Fahrer in zwei Stufen („Drive“ und „Low“) rekuperieren, der Grad der Energierückgewinnung lässt sich über einen Hebel am Lenkrad einstellen.

Ford Tourneo Custom PHEV: Die Kleinbus-Variante des Transit konkurriert mit VW T6, Mercedes V-Klasse & Co. © Hersteller


Auch wenn die E-Maschine dank ihrer 355 Nm Drehmoment den 2,2 Tonnen schweren Transit zunächst durchaus energisch anschiebt – Bäume lassen sich mit der relativ bescheidenen Systemleistung nicht ausreißen, auch die Höchstgeschwindigkeit ist auf 120 km/h begrenzt.

Autobahnfahrten sieht der Einsatzplan für die beiden PHEVs freilich eher nicht vor. Die Zukunftsvision sieht so aus, dass größere Lkw ihre Fracht in Verteilerzentren am Stadtrand bringen, wo sie in kleinere Nutzfahrzeuge wie den Transit umgeladen werden, die das Transportgut dann lokal emissionsfrei an die endgültige Adresse ausliefern. Im Rahmen eines Pilotprojekts in London ist dieses System der "Last Mile Delivery" bereits erprobt worden.

Genug Reichweite für den Arbeitstag?

Hört sich gut an, ruft aber Zweifel hervor, ob die verbrennerfreie Reichweite für einen kompletten Arbeitstag ausreicht. "50 Kilometer sind viel", sagt Hans-Jörg Klein, Geschäftsführer von Ford Deutschland, zwar und fügt hinzu, dass der Transit-Fahrer halt nachladen müsse. Genau hier liegt aber das Problem: In der Transportbranche ist Zeit bekanntlich Geld. Der Lieferwagen sollte also permanent im Umlauf sein. An der Haushaltssteckdose dauert es aber über vier Stunden, bis der Akku wieder vollständig geladen ist, auch jene 2,7 Stunden, die beim Laden über einen Typ-2-Ladestecker ins Land gehen, sind zu lang für die Mittags- oder Kaffeepause. Schnellladen mit Gleichstrom beherrschen Transit und Tourneo aber nicht, ganz abgesehen davon, dass solche Turbo-Ladesäulen in der Stadt so gut wie nicht vorhanden sind – noch nicht, zumindest.

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Ford Transit Custom PHEV, Ford Tourneo Custom PHEV: Neu als Plug-in-Hybrid

Wenn immer mehr Städte Fahrverbotszonen einrichten, wird es für den Lieferverkehr schwer. Deshalb bietet Ford seinen Transporter "Transit" ab dem kommenden Frühjahr auch als Plug-in-Hybrid an. Auch die Kleinbus-Variante "Tourneo" bekommt den teilelektrifizierten Antriebsstrang.


Die Basispreise von 47.995 Euro netto (brutto 57.114 Euro) für den Transit Kastenwagen PHEV bzw. von 60.420 Euro (brutto 71.890 Euro) für den Tourneo Custom PHEV Bus in bereits höherwertiger Titanium-Ausstattung weisen die beiden Plug-ins zudem keineswegs als Schnäppchen aus.

Geräumig: Im Tourneo Custom können bis zu acht Personen mitfahren. © Hersteller


Ford bietet den Transit Custom PHEV nicht nur als Kastenwagen, sondern auch als Kombi an, jeweils mit kurzem Radstand und flachem Dach. Weil der Akku unter dem Boden verbaut wurde, ergeben sich keine Verluste beim Laderaum. Sechs Kubikmeter umfasst er, die Nutzlast wird mit rund 1100 kg angegeben.

Geofencing gegen PHEV-Lustlosigkeit

Serienmäßig bekommt das PHEV-Duo im Frühjahr 2020 ein Extra, das sich "Geofencing" nennt und wohl bald auch anderswo Schule macht. Gemeint ist damit ein Modul, das via GPS erkennt, wenn der Transporter – beispielsweise – in Umweltzonen einfährt. In diesem Fall wird automatisch der verbrennerfreie "EV Jetzt"-Modus aktiviert. Damit soll Plug-in-Fahrern auch eine gewisse Lustlosigkeit im Umgang mit dem Ladekabel ausgetrieben werden: Nach einer ersten Euphorie wird vielen das tägliche Aufladen zu umständlich – und sie sind ausschließlich mit Verbrenner unterwegs.

Mit dem Transit hat Ford übrigens noch weitergehende elektrische Pläne: 2021 soll er in einer rein batterieelektrischen Variante auf den Markt kommen.

Ulla Ellmer  

Ford Transit Custom und Tourneo Custom PHEV in Kürze:

Wann sie kommen: Im Frühjahr 2020

Wen sie ins Visier nehmen: Als PHEV kein Mitbewerber

Was sie antreibt: Elektromotor mit 93 kW/126 PS, Einliter-Ecoboost-Benziner als Range-Extender

Was sie kosten: Transit Custom Kastenwagen PHEV ab 47.995 netto/57.114 Euro brutto, Tourneo Custom PHEV ab 60.420 Euro netto/71.890 Euro brutto

Was noch kommt: 2021 ein rein batterieelektrischer Transit

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