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Finanzspritze für die Weißenburger Wülzburg

Deutsche Stiftung Denkmalschutz zahlt 46 000 Euro für den Unterhalt der Hohenzollernfestung - 07.07.2020 06:00 Uhr

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bezuschusst die diesjährigen Maßnahmen an der Wülzburg mit insgesamt 46 000 Euro. Das Geld fließt unter anderem in die Sanierung der Grabenaußenmauer an der Bastion Kaltes Eck.


Seit 2001 gehört die Hohenzollernfestung hoch über Weißenburg zu den über 460 Objekten, die die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank ihrer Förderer, der Erträge ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Glücks-Spirale in Bayern fördern konnte.

Das tut der Stadt, die nach wie vor eine unterdurchschnittliche Steuerkraft hat und trotzdem den Festungsunterhalt schultern muss, gut. Zumal früher der finanzielle Aufwand dreigeteilt war. Stadt, Freistaat Bayern und Bund trugen die Kosten gemeinsam. Doch dann stieg in den 1990er-Jahren der Bund aus, der Sanierungsaufwand wurde aber nicht weniger und die enormen Kosten drückten immer mehr auf den Stadtsäckel. Der damalige Oberbürgermeister Reinhard Schwirzer schlug Alarm und brachte sogar das Szenario kontrollierter Einstürze von Teilen des einzigartigen Bauwerks ins Gespräch. Letztlich mit Erfolg, denn der Bund stieg über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in den Wülzburgunterhalt ein.

"Insgesamt hat die spendensammelnde Denkmalschutzstiftung für Restaurierungsmaßnahmen in Weißenburg in den vergangenen 20 Jahren über eine halbe Million Euro bereitgestellt", heißt es in deren Presssemitteilung. Die 46 000 Euro, die sie in diesem Jahr beisteuert, fließen in die Reparatur der Kurtine zwischen den Bastionen Kaltes Eck und Hauptwache sowie der Contrescarpe gegenüber der Bastion Hauptwache. "Damit leistet die in Bonn ansässige DSD ihren Beitrag zur Planungssicherheit für die Bauherren, ihre Architekten und hoch qualifizierten Handwerksbetriebe und hilft, diese wichtigen Arbeitsplätze zu erhalten", informiert der Pressetext weiter.

Das gewaltige, fünfeckige Festungswerk der Wülzburg stammt aus dem späten 16. Jahrhundert. Aufgrund ihrer erstaunlich vollständigen Erhaltung sei "diese nicht an eine Stadtbefestigung angeschlossen, sondern völlig selbstständige Renaissancefortifikation nicht nur von nationaler, sondern von europäischer Bedeutung", ist man bei der Stiftung überzeugt. Die Festung gilt als Musterbeispiel einer Artilleriebefestigung ihrer Zeit, vergleichbar mit den Zitadellen in Spandau, Jülich und Antwerpen.

Die Wülzburg zeigt ein fast vollständiges Bastionsfünfeck mit trapezförmigen Bastionen, Trockengraben und sternförmigen Außenanlagen, an der Südseite hat sie ein Zugangstor mit Portalarchitektur im Stil der Renaissance. Die im Ursprungsentwurf zentral im Fünfeck liegende Schlossanlage wurde nie ganz verwirklicht. Es entstand dennoch ein zeittypisches zweiflügliges Renaissanceschloss, dessen Fassaden durch eine Folge von Arkaden gegliedert werden.

 

Feuchtigkeit dringt ein

 

An der zuletzt als Hauswirtschaftsschule und Internat genutzten Anlage beseitigt die Stadt Weißenburg seit 25 Jahren mithilfe des Freistaats Bayern und des Bezirks Mittelfranken die Schäden, die eindringendes Wasser am Mauerwerk und an den Gewölben der Bastionen und Kurtinen hervorgerufen hat.

Ohne die kontinuierliche Förderung auch durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wäre die Gesamtfinanzierung infrage gestellt worden", heißt es in der Pressemitteilung. Wesentliche Arbeiten an den Bastionen und Kasematten wurden mittlerweile abgeschlossen, seither werden die Bastionen miteinander verbindenden Kurtinen bearbeitet. Die immense Anlage bedarf regelmäßiger Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Immer wieder sind zum Teil große Mauerwerksausbrüche, wilder Bewuchs und Fugenauswaschungen zu beseitigen. Doch mehrere Fünf-Jahres-Sanierungsprogramme haben das Umfeld stark aufgewertet, sie kommen auch der touristischen Infrastruktur zugute.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmäler ein. Ihr Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale über pädagogische Schul- und Jugendprogramme bis hin zur bundesweiten Aktion "Tag des offenen Denkmals".

Rund 400 Projekte fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz jährlich, vor allem dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200 000 Förderern. Insgesamt hat die DSD nach eigenen Angaben bereits über 5500 Denkmäler mit mehr als einer halben Milliarde Euro in ganz Deutschland unterstützt. Doch immer noch sind zahlreiche einzigartige Bauwerke in Deutschland akut bedroht.

ROBERT RENNER

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