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Leoni feiert am Sonntag seinen 100. Geburtstag

Unternehmen entwickelte sich von der Drahtwerkstatt zum Luxus-Zulieferer - 21.04.2017 08:47 Uhr

Um am Markt bestehen zu können, hat sich Leoni frühzeitig auf den lukrativen Markt für Kabel, Leitungen und Bordnetze für die Autoindustrie verlegt. © dpa


Die Kundschaft des Unternehmens war schon immer etwas illuster - inzwischen aber hat die Produktpalette des Nürnberger Draht- und Bordnetzherstellers Leoni eine Breite erreicht, bei der selbst Insider leicht mal den Überblick verlieren können. Leoni-Produkte stecken in Uniform-Kragenspiegeln, Priestergewändern und dem schwarzen Tuch von Mekka genauso wie in Autos, Robotern und Medizin-Lasern.

Am Sonntag (23. April) feiert das ungewöhnliche Unternehmen seinen 100. Geburtstag. In jenen Apriltagen hatten sich drei Unternehmen der Branche zusammengetan und die Drahtwerkstatt Leoni gegründet. Die eigentlichen Wurzeln des heute im MDax notierten Konzerns reichen jedoch bis ins 16. Jahrhundert zurück. Den Grundstein für die Drahtzieher-Tradition legte gewissermaßen der Franzose Anthoni Fournier.

Er war wegen seines Glaubens aus Lyon geflohen und fand im Jahr 1569 im protestantischen Nürnberg eine neue Heimat - und ideale Bedingungen für die Herstellung "leonischscher Waren", wie man die zuerst in Lyon hergestellten Gold- und Silberfäden nannte.

Zentrum von Gold- und Silberfäden

Rasch entwickelte sich Nürnberg zum Zentrum des Gewerbes. "Fest steht, dass ein großer Teil der in Nürnberg produzierten Gold- und Silberfäden vom betuchten Hochadel für prachtvolle Stickereien auf Wandbehängen und Vorhängen, Tisch- und Bettdecken sowie auf Bezügen von Prunkmöbeln und Kutschen verwendet wurde", berichtet Leoni-Pressechef Bernd Buhmann.

Auch in Schlössern des Bayernkönigs Ludwig II. finden sich glitzernde Gespinste der leonischen Handwerkskunst. Bis zum 1. Weltkrieg ließen selbst die indischen Maharadschas Paläste und Kleidung mit Gold- und Silberstickereien aus Nürnberg ausstatten, sagt Buhmann. Indien sei seinerzeit einer der wichtigsten Exportmärkte gewesen.

Und selbst heute noch bedient ein kleiner Leoni-Unternehmensbereich solche Luxusbedürfnisse: Für Mitglieder arabischer Herrschaftshäuser, reiche Beamte und Geschäftsleute liefert der Konzern das Material für wertvolle Gold- und Silberstickereien auf Krägen sogenannter Abayas, schwarzer oder grauer Umhänge.

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Auch christliche Kirchen und andere Religionen schätzten entsprechend verzierte Altarbehänge und Priestergewänder. "Selbst der Vatikan zählt zu den Abnehmern leonischer Gold- und Silberfäden", berichtet Buhmann. Und auch die Metallfäden von Schulterklappen, Kragenspiegel und Emblemen vieler Uniformen stammen meist von Leoni.

Doch das sind heute nur noch Nischenprodukte, betont man bei dem Nürnberger Unternehmen. Um am Markt bestehen zu können, hat sich Leoni frühzeitig auf den lukrativen Markt für Kabel, Leitungen und Bordnetze für die Autoindustrie verlegt. Demnächst werden Spezial-Leitungen des Unternehmens bei der Steuerung autonom fahrender Autos eine Rolle spielen.

Bereits 1928 produzierte Leoni die ersten Lackdrähte, 1931 die erste gummiisolierte Leitung, 1943 das erste mit Kunststoff ummantelte Kabel. Zu den Kunden gehörten bald die Großen der deutschen Industrie: Siemens, AEG, Telefunken, Philips, Graetz, Schaub sowie die Autohersteller Daimler-Benz, Volkswagen, Opel und Autounion.

Neue Chancen

Mit dem Autoboom der Wirtschaftswunderzeit eröffneten sich für Leoni völlig neue Chancen. Doch statt einfacher Kabeln belieferte Leoni die Fahrzeugindustrie bald schon mit kompletten Kabelsätzen - den ersten Anfang der 1950er Jahren für einen von Porsche entwickelten Traktor. Später folgten Kabelsätze für Porsche-Sportwagen, etwa das Model 356, später auch für Mercedes-Automobile.

In den 1980er und 1990er Jahren internationalisierte sich das Unternehmen zunehmend, baute ein Werk im tunesischen Sousse, nach dem Fall der Mauer auch in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern. Mit dem Zukauf von Unternehmen verschaffte sich Leoni schließlich in den 1990er Jahren Zugang zu neuen Kunden und Technologien. Der Konzernumsatz stieg von 1990 bis 2000 von 400 Millionen auf 1,18 Milliarden D-Mark.

Heute beschäftigt Leoni mehr als 79.000 Mitarbeiter in 32 Ländern. Der Umsatz lag 2016 bei 4,431 Milliarden Euro. Kunden sind alle großen Autohersteller, aber auch andere Industriezweige. Längst gehören zur Leoni-Produktpalette auch Glasfaser-Kabel sowie schnelle Datenleitungen. Die Palette der Hightech-Produkte umfasst unter anderem mit Sensoren ausgestattete Spezialkabel, die auf Schallwellen reagieren und so Hinweise auf Gasvorkommen liefern.

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dpa

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