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Entschlossen: Siemens demonstriert gelassene Stärke

Vorstandschef will sich von "geopolitischen Risiken" nicht irritieren lassen - 08.11.2018 13:37 Uhr

Insgesamt präsentiert Siemens in nahezu allen Sparten sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis gestiegene Zahlen. © dpa


Immerhin mache man die Geschäfte nicht mit Regierungen und Parteien, sondern mit den Kunden. Und diese sind nach Auskunft Kaesers mit dem Weltkonzern immer zufriedener, nachdem Pech und Pannen bei Großprojekten der Vergangenheit angehören. Besonders stolz ist man in der Münchener Zentrale mit dem Anstieg des Auftragseingangs um acht Prozent auf 132 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Trotz eines stark rückläufigen Ergebnisses der Sparte "Power and Gas" (PG), die vor allem Großturbinen herstellt, stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 83 Milliarden Euro und der Nachsteuergewinn leicht auf 6,1 Milliarden Euro. Damit ließ Siemens den Erzrivalen General Electric (GE), den es in letzter Zeit gar nicht gut erging, hinter sich. Siemens habe die zum Halbjahr angehobene Jahresprognose "voll erreicht", so Kaeser.

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Es hätte ohne die problematische PG-Sparte noch viel besser aussehen können. Weil das weltweite Geschäft mit Großtubinen eingebrochen ist, leitete der Konzern schon vor einiger Zeit massive "Restrukturierungsmaßnahmen", sprich: Jobabbau, ein. Bisher summierten sich die Aufwendungen für Abfindungen und andere Maßnahmen bei PG auf 361 Millionen Euro, wie Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas mitteilte. Ohne diese Aufwendungen wäre auch das Ergebnis von "PG" positiv ausgefallen.

"Das beste Team soll gewinnen"

Geholfen hat dem Problembereich der fossilen Energieerzeugung ein "Megaprojekt" (Kaeser) in Ägypten: Im Juli wurden Lieferung und Inbetriebnahme der drei größten Gas- und Dampfturbinenwerke abgeschlossen. Weiterhin helfen würde den Turbinenbauern, wenn Siemens beim Wiederaufbau der Elektrizitätsversorgung im Irak zum Zuge käme.

Eine gemeinsame Absichtserklärung mit der irakischen Regierung hat Kaeser unlängst in Bagdad unterzeichnet, doch dann intervenierte US-Präsident Trump massiv zugunsten des US-Wettbewerbers GE. Siemens-Chef Kaeser gab sich gelassen. Die Deutschen hätten ihr bestmögliches Angebot abgegeben: "Alles andere können und wollen wir auch gar nicht beeinflussen". Und: "Wir möchten nur, dass das beste Team gewinnt".

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Demonstrative Gelassenheit zeigte Kaeser auch mit Blick auf die angestrebte Fusion der Siemens-"Mobilty"-Sparte mit dem französischen Bahn-Bauer Alstom. Während die Wettbewerbsbehörden von China und der USA grünes Licht dafür gaben, haben die EU-Wettbewerbshüter Bedenken. Auch wenn es mit der Fusion nichts werde, verfüge Siemens weiterhin über ein "exzellentes Mobilitätsgeschäft", das inzwischen eine "hervorragende Projektentwicklung" an den Tag lege. "Mobilty" erzielte im vergangenen Jahr mit 2,3 Milliarden Euro einen Rekordumsatz und eine Ergebnismarge von 10,2 Prozent.


Trotz Zielerreichung: Siemens Healthineers kämpft mit Kosten


Aufbau statt Umbau

Siemens stecke "mitten im Umbau", war den Medien im Vorfeld zu entnehmen. Das gefällt dem Siemens-Chef überhaupt nicht. "Umbau" nehme man sich vor, wenn bestimmte Dinge nicht mehr passten. Die "Vision 2020+" (2020 plus) aber beabsichtige eine "Weiterentwicklung des Unternehmens", so Kaeser. Ende März kommenden Jahres, kündigte der Konzernchef an, werde die "Umsetzung der Neuorganisation" abgeschlossen sein.

Die Pläne sehen vor, die derzeit bestehenden fünf industriellen Sparten in drei weitgehend selbstständige Bereiche mit Hauptsitz in Nürnberg (Digitalisierung und Automatisierung), Houston/USA (Energie) und Zug/Schweiz ("Smart Infrastructure") aufgehen. Mit Healthineers und Siemens Gamesa wurden bereits Medizintechnik und Erneuerbare Energien verselbstständigt.

Natürlich gebe es bei einigen Mitarbeitern deswegen auch "Fragezeichen", räumte Kaeser ein, doch die "Geschäftsverantwortlichen" zeigten Aufbruchstimmung. Die Sub-Chefs können sich in Zukunft über weit mehr Handlungsfreiheit und Verantwortung freuen, müssen aber auch für Misserfolge gerade stehen.

Vermutungen widersprochen

Kaeser widersprach in dem Zusammenhang entschieden Vermutungen, wonach "Vision 2020+" bis zu 20.000 der weltweit 379.000 Siemens-Jobs kosten könnte. Das habe man "weder gesagt noch gemeint", so Kaeser. Im abgelaufenen geschäftsjahr habe der Konzern 41.000 Mitarbeiter neu eingestellt, davon 4.700 in Deutschland. Die Zahl der deutschen "Simensianer" ging dennoch leicht um 1.000 auf 117.000 zurück.

Bei Infrastrukturaufträgen achteten die ausländischen Auftraggaber nun 'mal sehr genau darauf, dass vor Ort möglichst viele Arbeitsplätze entstehen, erklärte Kaeser. Immerhin aber gingen zwei Drittel der Aufwendungen für Foorschung und Entwicklung in Gesamthöhe von 5,6 Milliarden Euro an deutsche Standorte. Im Übrigen eröffne man nicht in Berlin für 600 Millionen Euro einen Forschungscampus, wenn man die Absicht habe, sich von Deutschland zu entfremden.


600-Millionen-Auftrag: Siemens baut Campus in Berlin


  

Ralf Müller

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