Samstag, 23.03.2019

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Mannheim ist besser! Ice Tigers verlieren Viertelfinal-Auftakt

2:7! Nürnberg löst die Mammutaufgabe in der Kurpfalz nicht - 13.03.2019 22:00 Uhr

Gleich scheppert's wieder: Vor der Ice-Tigers-Kiste zeigten sich die Mannheimer in der Quadratestadt zu oft zu geradlinig. © Sportfoto Zink / ThHa


Lorenz, Sepp, Guttowski, Kuhl, Kreis, Richer, Müller, Corbet, Hecht, Arendt. Allein an der Anzahl der Spieler, deren Trikotnummern nicht mehr vergeben werden, zeigt sich, warum sich der Mannheimer ERC ungeniert Traditionsverein nennen darf. Und natürlich liefen auch an diesem Mittwoch im März 2019 die Szenen aus dem Friedrichspark über den Videowürfel, erst sepia eingefärbt, dann schwarz-weiß, am Ende bunt und mittendrin eine Jubelszene aus dem Linde-Stadion. Die Finalserie 1999 hat die Adler Mannheim und die Ice Tigers zusammengebracht. Selbst 20 Jahre später ist davon noch etwas zu spüren.

Gross versus Jiranek, 7:2! 

Im Stadion am Friedrichspark wird mittlerweile Inline-Hockey gespielt. Das Linde-Stadion existiert nur noch in der Erinnerung der Fans, die dort gefeiert, gefroren und geweint hatten. Zwei Hauptdarsteller von einst aber sind übriggeblieben. Pavel Gross, 1999 Kapitän, und Martin Jiranek, damals Topscorer der Ice Tigers, stehen sich in der Viertelfinalserie als Trainer gegenüber. Nicht mehr auf Augenhöhe wie einst auf dem Eis, aber immerhin gelang es Jiranek und seinen Ice Tigers, den überlebensgroßen Favoriten ein wenig zu ärgern. 20 Minuten lang. 40 Minuten später hatte der alles dominierende Punkterundensieger das erste von maximal sieben Spielen mit 7:2 (1:1, 3:1, 2:0) gewonnen.

Nach dem einseitigen ersten Drittel aber stand es in der SAP-Arena 1:1. Nur 1:1. Die Adler waren da bereits hochüberlegen, auch weil die Ice Tigers ihr Vorhaben, der Strafbank diesmal fern zu bleiben, nicht umsetzen konnten. Das dritte Power-Play nutzte Andrew Desjardins (12. Minute). Auf der anderen Seite aber glich Patrick Reimer, ebenfalls in Überzahl, aus (16.). Sollte der Plan gewesen sein, die ersten Attacken der Adler zu überstehen und selbst eine der wenigen Chancen zu nutzen (tatsächlich hatten die Gäste drei), ging er auf.

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2:7! Ice Tigers lösen die Mammutaufgabe in Mannheim nicht

Die Favoritenfrage stellte sich nicht, als in der Hauptrunde selten überzeugende Ice Tigers am Mittwoch bei in der zurückliegenden DEL-Punkterunde sehr oft überzeugenden Mannheimern antraten. Nürnberg hatte in der Hauptrunde alle vier Spiele gegen den Liga-Primus verloren. Und auch in den bisherigen acht Playoff-Serien gegen die Kurpfälzer stets den Kürzeren gezogen. Hoffnung darauf, dass es diesmal besser läuft, machten die Nürnberger in der Quadratestadt nur bedingt.


Nach dem ersten Seitenwechsel führte Mannheim dann vor, was sie trotz der unverminderten Qualität von Titelverteidiger München zum ersten Meisterschaftsanwärter macht: Markus Eisenschmied ließ dem erneut unfehlbaren Niklas Treutle mit einem ansatzlosen Handgelenkschuss an den Innenpfosten keine Chance (23.), Desjardins schloss einen Konter ab (24.) und noch einmal Eisenschmied beendete eine weitere Druckphase mit einem weiteren präzisen Schuss (25.). Jiranek nahm sofort eine Auszeit, in der er vor allen Spielern hin- und hertigerte. Doch die Ansprache kam zu spät: In 119 Sekunden hatten die Adler die erste Partie der Serie für sich entschieden. Das war nichts anderes als der von vielen erwartete Spielverlauf. Ärgerlich war aber, dass es eben nicht nur der Mannheimer Druck war, dem die Ice Tigers nicht stand halten konnten. Auch wenn sie nicht von Adlern umzingelt waren, gelang ihnen kaum einmal ein geordneter Spielaufbau. Wenn die ersten beiden Pässe saßen, wurde es hingegen sofort gefährlich für Mannheim Torhüter Dennis Endras.

Zum Beispiel, als sich Milan Jurcina mit einschaltete, um die Adler einzukreiseln. Den Querpass des schweren Slowaken drückte Leo Pföderl über die Linie (39.). Das 2:4 des zweiten Nürnberger Silbermedaillengewinners von Pyeongchang war entweder Ausdruck steigenden Selbstbewusstseins oder nachlassender Intensität auf der anderen Seite. Oliver Mebus konnte dazu bereits nichts mehr beitragen. Der Verteidiger hatte Probleme, wieder vom Eis aufzustehen, nachdem ihn Desjardins am Kopf getroffen hatte. Jiranek muss bereits ohne die Abwehrspieler Taylor Aronson, Brett Festerling und Marcus Weber (Gehirnerschütterung) auskommen. Auch Brandon Segal fällt seit seinem Überschlag aus dem zweiten Spiel gegen Bremerhaven aus.

Es muss nicht so schnell gehen 

Es reichte aber noch, den Klub, der nur noch 90 Trikotnummern vergeben darf, nervös zu machen. Denn das Schlussdrittel kontrollierten zunächst die Gäste. Nürnberg wirkte mutiger, schneller, sorgte für Unruhe. Plötzlich hatte Mannheim Probleme mit dem Aufbau – bis Luke Adam einen Schuss von Thomas Larkin ablenkte (46.). Das 5:2 schloss aber immerhin eine Phase ab, in der die Ice Tigers sich vielleicht auch selbst bewiesen, dass diese Serie nicht zwangsläufig nach vier Partien vorbei sein muss. Wenn überhaupt, ist das die positive Erkenntnis, die sie vor dem Spiel zwei am Freitag in Nürnberg mit nach Hause nehmen können. Die weiteren Treffer von Huhtala (54.) und Desjardins (60.) sollten sie schnell vergessen. 

Nürnberg: Treutle; Gilbert/Bender; Lalonde/Mebus, Jurcina/Stajnoch, Stephan – Bast/Buck/Brown, Pföderl/Dupuis/Reimer, Alanov/Weiß/Kislinger, Fox/Acton/Bassen. - Tore: 0:1 Desjardins (11:27/5-4), 1:1 Reimer (15:42/5-4), 2:1 Eisenschmied (22:38), 3:1 Desjardins (23:57), 4:1 Eisenschmied (24:37), 4:2 Pföderl (38:19), 5:2 Adam (45:19), 6:2 Huhtala (53:50), 7:2 Desjardins (59:29). - Schiedsrichter: Koharski/Schrader. - Zuschauer: 11801. 

Sebastian Böhm

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