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Fürths Sauer ist nicht sauer: "Ich genieße dieses Privileg"

Aufmerksamkeit auf außen: Kleeblatt-Zugang reflektiert und guckt nach vorn - 09.01.2019 07:28 Uhr

Konzentriert sich auf die Ballabgabe und aufs Kleeblatt: Maximilian Sauer. © Sportfoto Zink / WoZi


Als Sportdirektor Rachid Azzouzi auf dem Trainingsgelände in Belek seinen Blick über die Spieler schweifen lässt und sein Anforderungsprofil für einen Rechtsverteidiger definiert, wird schnell klar, was man bei Fürths Urgestein Roberto Hilbert nach dessen Rückkehr in den Ronhof so nicht mehr entdecken konnte.

Ein moderner Verteidiger muss Kilometer herunterspulen. Mal schnell, mal gut organisiert. Hauptsache aber viele und auch noch nach vorne. Dem 34-Jährigen war das nicht mehr auf Zweitliga-Niveau gelungen, weshalb er sich, fürsorglich gedrängt, am Tag vor dem Abflug an die türkische Riviera dazu entschied, seine Karriere fortan in der zweiten Mannschaft ausklingen zu lassen . "Auf einmal hieß es, Roberto macht heute sein letztes Training…“, erzählt Maximilian Sauer vom Moment, als er einen "namhaften und sehr erfahrenen Konkurrenten" los war.

"Von da an war ich drin" 

Der Sommer-Neuzugang von Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig hatte sich schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase zu Saisonbeginn überraschend schnell gegen den ehemaligen Nationalspieler durchgesetzt. Nach der ersten Englischen Woche, dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund (1:2 n.V.), war eine erste Rotation Sauers große Chance. "Von da an war ich drin."

Der 24-Jährige fehlte nur noch, wenn ihn eine Verletzung plagte, und einmal wegen einer Gelb-Sperre. "Es war eine ordentliche Hinrunde" reflektiert der Mann aus Salzgitter, der anfangs die mitgebrachte Last des Zweitliga-Abstiegs mit seinem Ex-Verein Eintracht Braunschweig auch auf Grund seiner niedersächsischen Wurzeln lang nicht habe abschütteln können.

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Die vielen Tränen, die zurückgelassenen und frustrierten Fans, die allgemeine Untergangsstimmung _ "das will man nicht noch einmal erleben müssen",, erzählt Sauer, der in Fürth nun wieder die Sonnenseiten des Profi-Fußballs leben kann und sich Stammspieler nennen darf.

"Der Kopf und der Körper waren müde" 

Die Zahl seiner guten Spiele für die SpVgg Greuther Fürth war zum Ende des Kalenderjahrs aber rückläufig. "Der Kopf und der Körper waren müde. Das hat man auf dem Platz dann auch gesehen“, gibt Sauer offen zu und findet in der von Verletzungen und Reservistendasein geprägten Anfangszeit im Profi-Fußball eine Erklärung: "Es war die erste Hinrunde in meiner Karriere, die ich nahezu durchgespielt habe. Das ist dann schon noch einmal eine andere Belastung, die ich so noch nicht kannte."So lange der Akku aber voll war, kam er dem Rechtsverteidiger-Ideal Azzouzis auf Zweitliga-Niveau schon sehr nah. "Maxi verkörpert den Typ, den wir auf dieser Position gerne hätten. Wir wollen im Spiel früh pressen. Dafür braucht man auch Abwehrspieler, die in die Offensive gehen." An guten Tagen glänzte Sauer mit einer guten Zweikampfquote und fand auch das richtige Timing, sich in den Angriff miteinzuschalten. Vor allem mit seiner Fähigkeit, in hohem Tempo weite Wege zu gehen, hatte Sauer Routinier Hilbert aufs Abstellgleis befördert.

"Aber dabei sind wir geduldig" 

Weil der zehn Jahre jüngere Verteidiger seine Qualitäten aber nicht konstant genug abruft, bekommt er vom Verein Hausaufgaben gestellt: "Wir erwarten uns von ihm schon auch den nächsten Entwicklungsschritt. Aber dabei sind wir geduldig", sagt Azzouzi. Der Sportdirektor hat konkrete Pläne mit Sauer und hofft, dass man die Rolle des Rechtsverteidigers einmal mit ihm in Verbindung bringt "wie früher mit Stephan Schröck oder Bernd Nehrig". Mit dem Vergleich kann Sauer auf Anhieb wenig anfangen, weil ihm die Namen anscheinend nicht mehr viel sagen. Aber er hätte nichts dagegen, beim Kleeblatt auch einmal ein Spieler zu werden, an den man sich erinnern muss. "Ich genieße dieses Privileg hinten rechts in der Startelf zu sein. Ich möchte mich weiterentwickeln und festspielen", setzt sich Sauer auch ohne den ausgemusterten Hilbert unter Druck. "Wichtig dafür ist, dass ich konstant bleibe, das ist meine größte Schwäche."

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Stefan Jablonka

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