Mittwoch, 14.11.2018

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Weltmeisterin! Milena Slupina riskiert und gewinnt alles

Mit dem bislang höchsten Schwierigkeitsgrad holt sich die Bernloherin den WM-Titel im 1er Kunstradfahren vor Teamkollegin Viola Brand - 26.11.2017 18:18 Uhr

Drei strahlende Sportlerinnen auf dem Podest, von links: Die beiden Deutschen Viola Brand und Milena Slupina und die Österreicherin Adriana Matthis. © Fotos: Wilfried Schwarz


Am Freitag hatte sie souverän den Einzug in das Finale der besten Vier geschafft. Am Samstag zeigte sie dort eine brillante Kür und verwies die sich ebenfalls perfekt präsentierende Nationalmannschaftskollegin Viola Brand (Unterweissach) mit einem Ergebnis von 184,22 Punkten und damit einem Punkt Vorsprung auf den zweiten Platz. Das ist das höchste Ergebnis, das je eine Kunstradfahrerin bei einer Weltmeisterschaft erzielt hat.

"Einfach nur genießen" – das hieß im Vorfeld, dabei zu sein nach einer Saison, in der buchstäblich von Anfang bis Ende alles lief, dabei zu sein mit der höchsten Schwierigkeit ihrer Disziplin, aber damit auch den Druck aushalten zu müssen, als eine der Titel-Favoritinnen ins Rennen zu gehen.

Genießen konnte sie am Freitagabend schon die Eröffnungsfeier der dreitägigen UCI-Veranstaltung in der neuen Messehalle der österreichischen Hallenradsport-Hochburg. 20 Nationen zogen nach einem spektakulären Showact in die Arena ein. Die Vorrunde im Kunstrad 1er Frauen hatte bereits davor stattgefunden.

Die beiden deutschen Teilnehmerinnen Viola Brand und Milena Slupina hatten sich das von vielen erwartete Duell um Bruchteile von Wertungspunkten geliefert. Dabei zeigte die eine wie die andere kurz Nerven: Brand, indem sie den Lenkerhandstand zu Beginn ihrer Kür zweimal ansetzen musste, und Slupina mit einem Abstieg am Ende der Lenkerstanddrehung. Nur zwei Hundertstel Punkte trennten die beiden schließlich nach einem atemberaubenden WM-Auftakt. Brand hatte mit 181,98 Punkten die Nase knapp vorne. Der Einzug ins Finale sicherten sich beide mit einem Abstand von über zwanzig Zählern auf die Schweizerin Seraina Waibel und die Lokalmatadorin Adriana Matthis.

Als letzte Starterin sammelte Milena Slupina im Finale mit einer makellosen Vorstellung Punkt um Punkt und zog damit an den drei Konkurrentinnen vorbei.


"Es ist etwas sehr Besonderes, hier zu starten", sagte Slupina kurz nach der erfolgreich absolvierten Vorrunde. Schon beim Einfahren habe sie gespürt, dass die Qualität der Übungen — der Anspannung geschuldet — nicht so selbstverständlich sei wie sonst. "Da habe ich gemerkt, dass ich runterkommen muss." Runterkommen zu Höchstleistungen. Denn in einem so engen Spitzenfeld zählen am Ende die besseren Nerven. Die hat sie dann bewiesen.

"Am Samstag habe ich mich den ganzen Tag super gefühlt und mich sehr darauf gefreut, mein Programm noch einmal im Finale zeigen zu dürfen", sagte sie in der Sieger-Pressekonferenz. Sicher und bestens vorbereitet habe sie sich gefühlt. "Ich habe sehr sehr hart trainiert."

Auch beim Finale musste sie als letzte Starterin auf die Wettkampffläche. Viola Brand hatte unter den Augen der Rotherin ein Spitzenergebnis vorgelegt. Milena Slupina wusste, sie musste ohne Fehler durch ihre Kür kommen, wenn sie den Titel erreichen wollte.

Was sie dann zeigte, war ein Musterstück an gelungener Präsentation, eine der besten Küren, die sie jemals im Wettkampf gezeigt hat. Im Hintergrund hielt Mutter und Trainerin Petra Slupina den Atem an. Schnell bestätigte die Jury das Ergebnis, das die vielen mitgereisten Freunde und Familienmitglieder von den Sitzen holte: Milena Slupina hat es geschafft, sie ist UCI Weltmeisterin 2017!

Damit hat Milena Slupina alles gewonnen, was in ihrem Sport an Titeln zu vergeben ist: Deutsche Meisterin, Europameisterin, Weltmeisterin. Ein hochemotionaler Moment, in dem die hochkonzentrierte Anspannung am Ende Tränen der Freude Bahn brach.

"Ich habe mich zuerst gefreut dabei zu sein, dann, das Finale erreicht zu haben, schließlich hätte ich mich über jede Medaille gefreut. Jetzt bin ich tatsächlich Weltmeisterin". Sie habe von ihrer ersten WM-Teilnahme so viel mitnehmen wollen, wie möglich. Jetzt ist es das Regenbogentrikot und die Goldmedaille geworden. Mehr geht einfach wirklich nicht. 

STEFANIE GRAFF

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