Dienstag, 26.03.2019

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Schmücken & Helfen geht in die nächste Runde

Christbaum vor der NN-Geschäftsstelle wirbt wieder für die Spendenaktion - 28.11.2018 21:58 Uhr

Das NN-Team stellte am Donnerstag vor der Pegnitzer Geschäftsstelle den Christbaum für die Spendenaktion „Schmücken & Helfen“ auf. © Foto: Kerstin Goetzke


Bisher kamen immer um die 30 000 Euro zusammen, die der frühere NN-Redakteur Thomas Knauber verteilt und persönlich überbringt, in Pegnitz unterstützt vom früheren Redaktionsleiter Richard Reinl, dem eigentlichen Erfinder der Aktion.

Jedes Jahr gehen Anfang November einige Schreiben der NN an die Sozialämter und Jobcenter von Bayreuth, Amberg und Lauf hinaus mit der Bitte, Bedürftige aus Auerbach, Neuhaus oder der Fränkischen Schweiz auf die Aktion anzusprechen.

Die zuständigen Sachbearbeiter wählen Kranke und Rentner aus, alleinerziehende Mütter und Behinderte. Thomas Knauber fügt dann noch die besonders schweren Fälle des Vorjahres hinzu, weil die Ämter immer durchwechseln, immer neue Personen aus ihrer großen Kartei aussuchen.

Es sind zwischen 100 und 200 Euro, die je nach Situation an jeden Betroffenen gegeben werden. Knauber erlebt stets äußerst dankbare Reaktionen. Viele Menschen können mit dem Geld endlich kleine Schulden bezahlen, sich Schuhe kaufen oder eine Brille. Weihnachtsgeschenke für die Kinder sind plötzlich möglich und auch eine kleine Rücklage für das neue Jahr.

Knauber kann auch einspringen, wenn zum Beispiel in einer siebenköpfigen Familie eine neue Waschmaschine gebraucht wird oder wenn eine junge Mutter für ihr Baby plötzlich Sonderausgaben hat.

Er nimmt sich stets Zeit für ein Gespräch und lernte über die Jahre, dass genau das sehr wichtig ist. Aber es erschöpft ihn auch: Nach den drei Tagen des Spenden-Überbringens ist er ausgelaugt. Hat er doch sehr viele Probleme mitbekommen, sehr viele schwere Leben gesehen. Danach weiß er, wie gut es jedem geht, der gesund ist und ein festes Einkommen hat.

Da ist zum Beispiel jene Frau, die von Beginn an fast chancenlos war. Ihre Mutter war hart und gab ihr nie eine Unterstützung. Die Schule konnte sie nicht beenden.

Eine Not-Ausbildung endete in einer Art Gefängnis, woraus sie flüchtete. Der erste Ehemann war seelisch krank. Der zweite wurde zu einem Pflegefall. Sie selbst wurde nach seinem Tod so krank, dass sie mehr im Hospital als zuhause lebte. Wenn sie davon erzählt, dann mit leiser Stimme. Still schließt sie am Ende die Tür. Sie lässt kaum jemanden herein und erzählt auch niemandem diese Tragödie.

Eine andere Frau ist vom Temperament her fröhlich und optimistisch. Aber sie musste in ihrem Leben zu viel schuften. Das belastete ihren Rücken. Nach 25 Jahren harter Arbeit kann sie sich im Bett nicht mehr umdrehen, hat Probleme beim Aufstehen und kann nicht mehr lange stehen. Sie ist froh über ihr kleines billiges Zimmer und hangelt sich von Tag zu Tag — die Schmerzen sind immer dabei.

Oder der ältere Herr, der noch vor 15 Jahren ein Vereinsleiter war, engagiert für die Jugend, und heute deprimiert im Altbau sitzt, in der Kälte. Zwischen den beiden Leben liegen Krankheit und die Trennung von seiner Frau. Raus aus dem Beruf und rein in Hartz IV. Jetzt dreht er jeden Euro um, spart eisern und bekommt Schocks, wenn fordernde Briefe von der Versicherung eintreffen.

Ein anderer Mann war von jeher ein Revoluzzer, ein frei denkender Mensch. Er sah gut aus, genoss die Partyseite des Lebens und fuhr Lkw. Aber dann kamen die Rückenschmerzen, dieses Berufsleiden, und dann das Aus. Er zog sich immer weiter zurück: Von der Kleinstadt ins Dorf, und dort in eine dunkle Kellerwohnung. Was bleibt ihm hier? Einsamkeit. Ein Name auf der schief hängenden Klingel.

Dann die alte Dame, der es einst gelungen war, aus der dörflichen Enge auszubrechen, nach Frankreich und Portugal. Dann wurde sie in einer deutschen Großstadt zur angesagten Wirtin, wo die Schauspiel-Prominenz einkehrte. Aber ein Unfall und ärztliche Fehler genügten, dass alles zu Ende war. Von da an sah sie nur noch die Krankenzimmer und kämpfte sich ab, um Recht zu bekommen gegenüber dem Vertuschen der Ärzte. Heute ist sie fast gelähmt, frustriert und muss ihren Humor und ihre Klugheit vor dem Fernseher ins Leere laufen lassen — denn sie ist meist allein.

Wenn auch Sie etwas für Menschen mit einem schweren Schicksal spenden möchten, können Sie es in der NN-Redaktion tun. Dort bekommen Sie ab einem Betrag von 2,50 Euro eine Christbaumkugel, die Sie signiert an den NN-Weihnachtsbaum hängen können. Oder Sie überweisen Ihren Betrag auf folgendes Konto der Sparkasse Bayreuth: Freude für Alle, DE62 7735 0110 0038 0645 72 (BYLADEM 1 SBT). 

fca

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