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Wie die Stadt Nürnberg die Berliner irritierte

Originelle Werbekampagne mit Dürer, dem Christkind und Wagner - Reklame sehr günstig - 31.03.2013 13:43 Uhr

„Christkind findet Stadt“ — mit diesem Spruch buhlt Nürnberg in Berlin um Touristen... © Baumer


Doch der Stadt Nürnberg ist trotz dieses Überangebots in den vergangenen Wochen und Monaten ein echter Hingucker gelungen. Die Grundidee war durchaus naheliegend: Nürnberg wollte mit Figuren werben, die auf der ganzen Welt bekannt sind. Die man sofort irgendwie mit der Stadt verbindet. Da kommen natürlich die üblichen Verdächtigen wie das Christkind, Albrecht Dürer und Richard Wagner (wegen der Meistersinger) infrage. Aber wie präsentiert man diese Berühmtheiten — und zwar mal etwas anders?

Ein Team der Congress- und Tourismuszentrale kam gemeinsam mit der Grafikerin Birgit Osten auf den wandelbaren Spruch „Dürer findet Stadt“, „Christkind findet Stadt“ und „Wagner findet Stadt“. Die Doppelsinnigkeit des Satzes lässt viele stutzen, die vorübergehen. Auch in der Werbeszene gab es positive Reaktionen. „Ganz selten hat man auf eine solche Anzeige hin derartig viele Kontakte“, sagt Wolfram Zilk, stellvertretender Geschäftsführer der Congresszentrale.

Geklebt wurden die Plakate in drei deutschen Städten — Stuttgart, Köln und Berlin. Es waren insgesamt 6500 Exemplare. Die meisten davon, etwa 2500, bekamen die Hauptstädter zu sehen. Und das schönste daran: Außer den Herstellungskosten musste Nürnberg nichts investieren, denn es handelt sich um eine Verabredung der jeweiligen Stadtreklame-Betriebe, sich gegenseitig freie Werbeflächen zur Verfügung zu stellen. Zilk: „Wenn wir das hätten bezahlen müssen, dann hätten wir es nicht gemacht.“

Prominente Plätze

...und auch Wagner findet in Nürnberg „Stadt“ — zumindest bei den Meistersingern. © Harald Baumer


Die Kampagne könnte durchaus eine Zukunft haben, auch wenn gerade kein Christkind im Anmarsch ist und keine Dürer-Ausstellung „stadtfindet“. Im Zuge des anstehenden Reformationsjubiläums etwa wäre eine Fortsetzung möglich, denn ohne Nürnberger Kenntnisse in der Papierherstellung und im Buchdruck hätte sich die protestantische Lehre niemals so schnell verbreiten können. Damit kein anderer Werbetreibender dazwischenfunkt, hat sich der Verkehrsverein die „Findet-Stadt“-Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt gesichert.

In Berlin erhielten die Plakate aus Mittelfranken ziemlich prominente Plätze. Das Christkind zum Beispiel schaffte es bis in die Nähe des Großen Sterns beziehungsweise der „Goldelse“. Weiter kam auch der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama bei seinem bisher einzigen Besuch in Berlin nicht. Das Motiv mit Wagners Meistersingern war jedoch geradezu genial postiert. Unter anderem konnte man es am Ernst-Reuter-Platz sehen.



Das ist deswegen besonders geschickt, weil sich nebenan gleich zwei Opernhäuser der Hauptstadt befinden — die Staatsoper im Schiller-Theater und die Deutsche Oper. Direkter kann man Freunde des Musiktheaters kaum noch ansprechen.  

VON HARALD BAUMER

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