Samstag, 23.03.2019

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"Precobs": Weniger Einbrüche mit Prognose-Software?

Etabliertes System bei der Polizei - Studie kann Erfolg nicht konkret nachweisen - 09.09.2017 05:45 Uhr

Vor drei Jahren begann die Polizei mit der Progrnose-Software "Precobs" zu arbeiten und will sie seitdem nicht mehr missen. Auch wenn eine Studie des Freiburger Max-Planck-Instituts etwas anderes sagt. © Silas Stein/dpa


Um den Einbrechern voraus zu sein, braucht man Informationen, wo sie wieder zuschlagen könnten. Doch wie kommt man an die ran? Neben München setzt auch das Polizeipräsidium Mittelfranken seit fast drei Jahren auf die Prognose-Software "Precobs". Mit ihr sollen Einbrüche vorhergesagt werden können. Das hochgelobte System hat allerdings Kritiker. Nach einer Studie des Freiburger Max-Planck-Instituts funktioniert es nur bedingt. Außerdem lohne sich der Einsatz des Systems in ländlicheren Regionen gar nicht, weil die Fallzahlen und damit die nötigen Daten für das System zu gering seien.

"Die Software ist zwar nicht nutzlos, aber kein Werkzeug, mit dem die Fallzahlen per Mausklick reduziert werden können", sagt Dominik Gerstner, der die Studie mitbetreute. Das aber sehen die zuständigen Ermittler und das Bayerische Innenministerium anders. "Wir möchten nicht mehr darauf verzichten", so ein Beamter der Nürnberger Polizei. "Precobs" sei ein mittlerweile fest etabliertes System, das die Ermittlungsarbeit unterstütze. "Es ist kein Allheilmittel, aber man kann bei Wohnungseinbrüchen gezielter arbeiten."

Software schlägt Alarm

Das Problem: Der Erfolg des Systems lässt sich nicht an konkreten Zahlen nachweisen. Laut Kriminalstatistik blieb der Wohnraumeinbruch in Nürnberg 2016 mit 535 Delikten auf nahezu gleichem Niveau wie im Jahr 2015. Es wurden sechs Fälle weniger als 2015 zur Statistik gemeldet. 2014 wurden noch 669 Einbrüche anzeigt. Ob der Rückgang von 2014 (als für "Precobs" in Nürnberg der Startschuss fiel) auf 2015 tatsächlich mit der Einführung der Software zusammenhängt, lässt sich nicht hinreichend nachweisen. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass das zusätzliche Instrument seinen Beitrag dazu geleistet hat.

Doch wie funktioniert die Ermittlungsarbeit mit "Precobs" überhaupt? Das System wird mit Daten gefüttert, die aus zurückliegenden Einbrüchen stammen. Dazu zählen: Tageszeit des Einbruchs, Art der Beute, Vorgehen der Täter und Tatort. Davon lässt sich dann ein Muster ableiten, wie die Kriminellen vorgehen. Inzwischen sind es mehrere Tausend Datensätze. Das digitale "Gedächtnis" der Software merkt sich das für einen Zeitraum von fünf Jahren und schlägt Alarm, wenn in einem festgelegten Stadtbezirk eine Schwelle überschritten wird - und die liegt bei 70 Prozent. Die Alarmsituation für dieses Quartier bleibt dann für einige Tage bestehen.

In dieser Zeit ist die zuständige Polizeiinspektion gefordert. Eine Maßnahme ist, in das Gebiet mehrere Streifen zu entsenden. Die Polizeipräsenz soll Straftäter von weiteren Einbrüchen abhalten. Das ist das eine. Das andere: Wenn in diesem Zeitraum die Einsatzzentrale von Bewohnern eines Hauses im Alarmgebiet darüber informiert wird, dass merkwürdige Geräusche im Gebäude zu hören sind, ist die Reaktionszeit der Polizei durch die stärkere Präsenz kürzer und der Erfolg wahrscheinlicher. 

Alexander Brock

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