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#MeinGoho: Ein Zug durch die Gostenhofer Gastro-Szene

Von der coolen Bar bis zum feinen Restaurant ist alles dabei - 06.11.2018 05:45 Uhr

In Gostenhof floriert die Gastro-Szene - wir haben die wichtigsten Lokale im Überblick. © Michael Matejka


Wenn die heutigen Endvierziger über die Nürnberger Kneipenszene von früher sprechen, dann kommen sie ganz schnell auf Gostenhof. "Die Hammet’s Bar" fällt Heike Stahl als Erstes ein. Die 54-Jährige hat in den 1990er Jahren hier gewohnt. Jahre, bevor sie ihren "Salon Regina" in der Fürther Straße eröffnet hat, der seit 2004 zu den "Hotspots" gehört. Erst den schweren roten Samtvorhang zur Seite schieben, dann war man drinnen in der "Hammet’s American Bar" in der Austraße. Cocktails gab es hier, es war laut, stickig, verraucht. Und angesagt.

Oder das "K-Fee" in der Adam-Klein-Straße, das öffentliche Wohnzimmer des exzentrischen Künstlers Peter Habermann. Der seine Gäste je nach Laune wieder hinaustrieb in die Nacht. Wer blieb, futterte Sonnenblumenkerne und spuckte die Schalen auf den davon übersäten Boden. Über der Theke hing kiloweise Lametta, die Drinks waren hervorragend.

Diskussion in der "Plane"

Und man kann nicht über GoHos Kneipen schreiben, ohne die "Plane" in der Kernstraße zu erwähnen. Die Keimzelle der Stadterneuerung. 1979 übernahm die Stadt Nürnberg das Ecklokal, um dort mit den Bürgern über die Zukunft von Gostenhof zu diskutieren. Architekt Hermann Grub stand in der "Planungskneipe" den Anwohnern Rede und Antwort – und gab dann auf. Die Resonanz war mau.

Also übernahm erst der "Griechische Kulturverein" die "Plane", dann verköstigten Costas und Lisa Charissis mit ihrer Schwester Anna Veloudis die Studenten und Arbeiter, die Politiker und Szeneleute mit Souvlaki und Zaziki. Im November 2014 schlossen die Charissis nach 35 Jahren ab. Ein Aufschrei ging durch Gostenhof. "Wir konnten einfach nicht mehr", sagt Anna Veloudis heute.

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Zwischen Currywurst und Sternemenü: Ausgehen in Gostenhof

Gostenhof - das ist Multikulti. Türkische Imbisse wechseln sich mit Szenekneipen und Spitzen-Restaurants ab. Die Dichte ist hoch und an den Abenden ziehen die Feierwütigen von Haus zu Haus. Von Kneipe zu Cafe. Von Restaurant zu Imbiss. Eine Reise durch die Gostenhofer Gastroszene von heute. Mit ein paar Anekdoten von gestern.


Die 64-Jährige hat Glück gehabt: Ein Stammgast des "Salon Regina" hat ihr dort einen Job besorgt. Und sie fühlt sich bei Heike Stahl und ihrer Partnerin Stefanie Heid pudelwohl. Seitdem steht nicht nur die Currywurst – "unser Klassiker", so Heike Stahl, sondern auch mal Gyros auf der Wochenkarte im "Salon Regina". In dem schönen Café mit großer Sonnenterrasse war früher eine Konditorei untergebracht. "Und einige der damaligen Kunden kommen jetzt zu uns!", sagt Stefanie Heid.

Wo die Integration Fuß fasst

Diejenigen, die früher in der "Plane" saßen, politisieren und schafkopfen nun im "Palmengarten" in der Unteren Kanalstraße. Und die alte "Planungskneipe"? Dort sind Thomas Dressel und Thomas Grill mit ihrem Bio-Restaurant "Herr Lenz" im Januar 2015 eingezogen. Anfangs seien ihnen schon böse Kommentare zugetragen worden. "Dass wir die Plane vertrieben hätten", sagt Grill, der auch in Gostenhof wohnt, und schüttelt den Kopf. Doch der "Herr Lenz" hat sich schnell etabliert. Und die bösen Zungen waren still.

Um die Gostenhofer Hauptstraße drängen sich türkische Imbisse und das Restaurant "Mevlana". Hier hat die Integration Fuß gefasst: Das Restaurant ist bei Deutschen wie Türken beliebt. Im "Palais Schaumburg" in der Kernstraße ist ein Teil der Gäste mitgealtert. Seit über 30 Jahren gibt es das "Palais", seit zwei Jahren hat es mit Thomas Landherr ("Zeltner") einen neuen Pächter. Geblieben ist alles beim Alten: "Inge Korn und Walter Port haben ein Stück Kneipengeschichte hinterlassen", sagt Landherr.

Sonntags sitzen Familien neben Hipstern und essen Schäufele mit Kloß. Zur Mittagszeit bestellen ältere Herren am Tresen ein veganes Linsencurry. Steuerberater Manfred Zarte kommt "bestimmt zweimal die Woche". Weil die Bedienungen so freundlich sind. "Außerdem wird man hier mit über 50 noch geduzt", sagt er lachend. Gostenhof habe sich aber in den letzten Jahren schon ganz schön verändert. Positiv, findet Zarte: "Früher hatten meine Mandaten manchmal Angst, zu mir zu kommen!"

Höchste Qualität

Das Thema Angst kennt auch Frank Mackert. Sein in etlichen Gourmetführern gelobtes Restaurant "Koch und Kellner" liegt mittendrin am Jamnitzerplatz. Seit 22 Jahren. Mackert (51) lebt selbst in Gostenhof. Sein Lokal hier zu eröffnen, "war auch Faulheit". Bereut hat er es nicht: "GoHo ist angesagt, abends schieben sich die Massen von Kneipe zu Kneipe", sagt er. Die vielen Kulturen machen die Gastro-Szene hier bunt – "auch wenn doch noch die meisten unter sich bleiben".

Dass es hier gefährlich sei, kann er nicht unterschreiben. Seine Gäste kommen aus der ganzen Umgebung, oft mit der U-Bahn. Und das ist das Einzige, was Mackert vermisst: "Ausreichend Parkplätze". Gehobene Küche wie im "Koch und Kellner" findet man auch an anderen Stellen in GoHo. Im "Weinstockwerk" bei Martin Runge in der Glockendonstraße beispielsweise. Der Wirt setzt auf höchste Qualität, nicht nur beim Fleisch.

Wein, Catering und Brotzeiten

Oder bei Till-Jonas Heinz, Chef des Cateringservices "ess.brand" in der Gartenstraße, bei dem man im Restaurant "ess.tisch" vortrefflich speist. Und der seine Menüs auch mal in der schön gestalteten Weinhandlung "Grape Food" bei Anne und Pero Škojo in der Fürther Straße anbietet. Die Wirte kennen sich meist untereinander. Martin Runge schaut mal im "Koch und Kellner" vorbei. Heike Stahl geht gerne ins "Per Bacco", einen der ältesten Italiener.

Eine kleine Brauerei hat in Gostenhof Geschichte geschrieben: die "Schanzenbräu" von Stefan Stretz, die mittlerweile vergrößert im Stadtteil Höfen zu finden ist. Geblieben ist die "Schanzenbräu Schankwirtschaft" in der Adam-Klein-Straße, wo Brotzeiten, Schäufele und ein schöner Biergarten warten. Dazu ein gutes Rotbier. Überhaupt die Kneipen: "Schräges Eck", eine der ältesten, der "Mops von Gostenhof" oder das "Willich" und "Der Gostenhofer Dorfschulze" liegen nicht weit entfernt. Und wenn man mal keinen Platz bekommt, zieht man eben weiter.

Vom Italiener zum Burgerladen

Aber jetzt müssen wir noch einmal zurück in die Vergangenheit – und zum Petra-Kelly-Platz. Dort, wo man heute "Schweizer Frühstück" im "Café Mainheim" bei Franziska Schwingel genießt. Oder ein Gläschen Wein bei Hendrik Biehl im "Achtzehn97". An diesem Platz lag einst auch das In-Restaurant überhaupt: das "Gasthaus Braun".

Inhaberin und Köchin Brigitte Braun brachte den Nürnbergern über 20 Jahre lang bei, wie italienische Küche jenseits von Pizza und Lasagne auch schmecken kann. Gegrillten Fenchel oder Kaninchenleber aß man andächtig an den eng gestellten Tischen – wenn man denn einen Platz bekam. Derzeit kocht Brigitte Braun im "Hunger & Durst" von Harry Zimmermann. Und ins "Gasthaus Braun" ist vor vier Jahren der Burgerladen "Hempels" eingezogen. 

Katja Jäkel Redaktion Genuss & Leben/Aufgetischt E-Mail

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