Montag, 12.11.2018

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"HonigBienenMarktPlatz" mit Appell zum Artenschutz

Auch im Kleinen Großes bewirken - 07.07.2018 19:10 Uhr

Bürgermeister Klaus Meier und MdL Harry Scheuenstuhl (v. l.) mahnten eindringlich zum Schutz der Bienen bei der Eröffnung des Themenmarktplatzes mit Dietmar Lisson, Karin Eigenthaler und Josef Heller (Hintergrund v. r.). © Harald Munzinger


Man wolle mit den Themen-Marktplätzen zur Stärkung der regionalen Kreisläufe und der heimischen Produkte beitragen, führte Erster Bürgermeister Klaus Meier in der Begrüßung von Mitwirkenden und Gästen aus. Diesen präsentierten die Imkervereine eine "wunderbare Vielfalt der regional erzeugten Bienen- und Imkerprodukte". Ferner wurden ihnen "insektengeeignete Gartenpflanzen" vorgestellt und Saatgutinformationen für Blumenwiesen gegeben, konnten sie mit fachlicher Auskunft einen Blick in einen Schaubienenkasten werfen oder sich an einem Pflanzenquiz beteiligen. Kinder können stolz darauf sein, an Wildbienensäulen mitgewirkt, eifrig Löcher für die Insekten gebohrt zu haben. 

Aus der Mittagsbetreuung der Comenius-Grundschule verschenkten SchülerInnen selbstfertigte kleine "Samenbomben" mit der Bitte, sie in die Erde zu bringen. "Damit helfen Sie Bienen", lautete ihre Botschaft, die besondere Bedeutung bei diesem Markt haben sollte. Denn der stand im Zeichen eines "hochdramatischen Bienen- und Insektensterbens und massiven Rückganges der Bienenbestände", wie Bürgermeister Meier mit MdL Harry Scheuenstuhl übereinstimmten. 

Das Stadtoberhaupt sprach Glyphosat und andere Pestizide als Ursache dafür an, dass die Tiere nicht mehr zu ihrem Stock zurückfänden und anfälliger für Krankheiten würden, die zum Kollaps für das ganze Bienenvolk führen könnten. Des weiteren verursache die schon 1977 über befallene asiatische Honigbienen eingeschleppte Varroamilbe für ein seuchenartiges Bienensterben. Schließlich schränke die fast schon industriell betriebene Landwirtschaft mit zunehmenden Monokulturen die Vielfalt des Futters für die Bienen ein. Besorgt fragte sich Meier, wie lange es bei den immer wiederkehrenden Verlusten noch Imker geben werde. 

"Es ist schon 5 nach 12"

Es sei nicht fünf vor, sondern nach 12, mahnte er auch an die Adresse von Bundeskanzlerin Merkel, dass es nicht mehr reiche, vor dem Bienensterben zu warnen, sondern den Worten Taten folgen müssten. Neustadt habe schon entsprechend gehandelt und seit einigen Jahren Blühflächen angelegt. Damit wolle man "ein ganz deutliches und markantes Zeichen setzen für die ungeheuer nützlichen Bienen", ohne deren Bestäubung es kein Obst als gesundes Lebensmittel gebe. 

Der Bürgermeister appellierte an die Marktbesucher, dem Beispiel tatkräftig zu folgen, Blumenwiesen in den Gärten anzulegen und Insektenhäuser aufzuhängen: "Mit vielen kleinen Schritten kann auch Großes bewirkt werden". Dazu nannte Meier auch die Anordnung, Straßenbegleitgrün erst nach der Blüte zu mähen. Auch da könnte von jedem Einzelnen viel dazu beigetragen werden, den Lebensraum der Bienen zu verbessern, stimmten MdL Harry Scheuenstuhl und BN-Kreisvorsitzende Karin Eigenthaler im Appell überein, den "Ordnungswahn" zurückfahren, nicht stets alles niederzumähen und den Insekten in den Gärten auch mit oft schön blühendem Unkraut Nahrung und "Wohnräume in der Natur" zu belassen. "Die Ampel steht auf Rot" mahnte Scheuenstuhl mit dem Blick auf den aktuellen Bericht zum Insekten- und in der Folge auch Vogelsterben.

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Gute Obsternte Wildbienen zu verdanken 

Besonderm Schutz wurden auch Wildbienen empfohlen, die zu Zeiten bestäubten, wenn diese wegen Kälte oder Regen durch Bienen nicht erfolge. Eigenthaler nannte das Frühjahr als Beispiel und die nun zu erwartende Obsternte in erster Linie ein Verdienst der Wildbienen. Der Ortsvorsitzende des Imkervereins Neustadt, Josef Heller, freute sich über eine wachsende Zahl an Freunden der Bienen – darunter die Stadt, für deren Unterstützung er dankte - und den mit der Landwirtschaft aufgenommenen Dialog. Die Imker seien bemüht, das Leben der Bienen gut zu gestalten, so Heller. Die Natur besser zu übergeben, als man sie übernommen habe, rief MdL Harry Scheuenstuhl auf.

Umrahmt wurde die Eröffnung von den "Stadtpfeifern" der Musikschule im Landkreis. Die Caritas wirkte mit ihrem "NeuStadtGarten" sowie der "Büchertauschbörse" mit und freute sich wie Imker und BN-Vertretung über reges Interesse der Marktbesucher. Die nutzten auch gerne die Gelegenheit zu Verkostungen und zum Erwerb von Imkerprodukten vom Honig über Wachs und Propolis oder Kosmetik bis zum "Bärenfang" oder Met. Imker-Kreisvorsitzender Dietmar Lisson machte in seiner Doppeleigenschaft als Künstler auf die Ausstellung "Bienen und Kunst" in den Schlossmuseen aufmerksam und lud am 17. Juli dort zu einem Gespräch über die aktuelle Problematik ein, die schon Einstein mahnend beschrieben hatte: Erst stirbt die Biene, dann der Mensch. 

Harald J. Munzinger

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