Dienstag, 13.11.2018

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Kroder: "Ich glaube an Evolution, nicht an Revolutionen"

Der neue Bezirkstagspräsident von Mittelfranken im Interview - 09.11.2018 18:35 Uhr

Armin Kroder ist neuer Bezirkstagspräsident. © Stefan Hippel


Herr Kroder, herzlichen Glückwunsch zur Wahl! Wie bewerten Sie das Stimmergebnis?

Armin Kroder: Es war ein knappes Ergebnis, die Abstimmung blieb bis zum Schluss spannend und auch nervenaufreibend. Ich werde nun sehr bemüht sein, all diejenigen, die mich nicht gewählt haben – wer das war, weiß ich nicht, da es sich ja um eine geheime Wahl handelt – davon zu überzeugen, dass ich in der Lage bin, absolut parteiübergreifend und sachorientiert zu arbeiten. Und zwar gemeinsam!

Wann war Ihnen denn klar, dass Sie Ihren Hut in den Ring schmeißen?

Kroder: Ich habe mich relativ kurzfristig entschieden. Es gab im Vorlauf schon eine ganze Reihe von Gesprächen, aber die definitive Entscheidung selbst ist noch ganz frisch, wenige Wochen alt. Für mich war wichtig, das der Rahmen einigermaßen passt.

Der Bezirk geht nun einen ganz anderen Weg als der Freistaat, in dem sich eben zum ersten Mal eine Bayernkoalition aus CSU und Freien Wählern etabliert hat. Was sind die Gründe dafür?

Kroder: Auf der kommunalen Ebene geht es – so wie ich es wahrnehme und wofür ich mich einsetze – am Ende natürlich auch um Personen. Wir haben es hier ja nicht mit einem Parlament, einem Regierungschef und einer Opposition zu tun, sondern wir haben zu tun mit einem kollegialen Verwaltungsorgan. Da heißt es Sachthemen anpacken, parteiübergreifend nachdenken und die beste Lösung für die Menschen im Bezirk zu organisieren. Dieses Arbeiten unterscheidet sich von der Arbeit im Parlament ganz deutlich – daher verfolge ich da einen ganz anderen Ansatz.

Dennoch ist mitunter hinter vorgehaltener Hand von einer Fundamentalopposition gegen die CSU im Bezirk die Rede. Können Sie dies entkräften?

Kroder: Ja! Ich gehe davon aus, dass uns dies im Laufe der Zeit gelingen wird, da eine solche Opposition in einem Bezirkstag oder einem Gemeinderat nichts verloren hat. Daher werden wir bei den Ausschussbesetzungen sowie der Frage, wer diesen Ausschüssen vorsitzt, alle miteinbeziehen. So ging der Rechnungsprüfungsausschuss beispielsweise bereits an Michael Maderer von der CSU. Auch bei weiteren Beauftragten werden wir eine gemeinsame Lösung finden. Und dann wird sich im Lauf der Zeit sicherlich eine vernünftige Sacharbeit einstellen. Das wünsche ich mir, und dafür werde ich alles tun. Alles andere führt zu eher unguten Ergebnissen.

Was sind die Schwerpunkte, die Sie schnell anpacken wollen? Welche Prioritäten setzen Sie?

Kroder: Jetzt geht es zunächst darum, die neuen Kolleginnen und Kollegen im Bezirkstag kennenzulernen. Und dann darum, gemeinsam das zu tun, wofür wir da sind: Menschen in großer Not zu unterstützen, passgenaue und richtige Hilfe anzubieten. Es geht nicht um Parteipolitik, sondern darum, den Menschen, die warum auch immer in Not sind, zu helfen. Das ist die Aufgabe, und für die will ich mich mit aller Kraft einsetzen.

Steht denn ein Punkt oben auf Ihrer Agenda? Oder gibt es einen Bereich, in dem Sie sofortigen Handlungsbedarf erkannt haben?

Kroder: Ich glaube nicht an Revolutionen, sondern bin ein großer Anhänger der Evolution. Wir werden uns in Ruhe alles anschauen. Wir haben einige Schwierigkeiten in unserem Krankenhaus, das stimmt. Aber ansonsten läuft ja auch einiges extrem gut, wofür ich der Verwaltung sehr dankbar bin. Dann werde ich mir in Ruhe überlegen, wo und in welchem Umfang wir etwas verändern sollten. Dabei verwende ich gern den Begriff des kontinuierlichen Veränderungsprozesses, kurz KVP. Den möchte ich im Bezirk ebenso zur Anwendung bringen, wie ich es im Laufer Landratsamt schon seit Jahren tue.

Nach langer Tätigkeit für den Bezirkstag wird der bisherige Präsident Richard Bartsch (CSU) als einfacher Bezirksrat Ihrem Gremium angehören. Was schätzen Sie an Ihrem Vorgänger? Was hat er richtig gemacht, was werden Sie vielleicht anders machen?

Kroder: Ich habe vor der Lebensleistung von Richard Bartsch mit 15 Jahren an der Spitze unseres Bezirks allerhöchsten Respekt. Ich werde daher niemals ein böses Wort sagen oder sagen können, sondern ihn vielmehr mit dem Respekt behandeln, den er verdient. Ich danke ihm für seinen Einsatz in der oben beschriebenen Aufgabe des Bezirks, der Unterstützung der Menschen!

Ein Themenkomplex hat die Berichterstattung über den Bezirk zuletzt dominiert: Die Bezirkskliniken sowie die Entlassung des Chefs Helmut Nawratil. Nun hat die NZ in Auszügen die Zweitmeinung zur Sonderprüfung veröffentlicht, die die bisherigen Erkenntnisse relativiert. Was bedeutet dies?

Kroder: Auch hier stehe ich für eine ganz ruhige Betrachtung. Wir haben dann noch zu überlegen, ob die Funktionen im Bezirksklinikum unbedingt beim Bezirkstagspräsidenten liegen müssen. Es gibt viele Stimmen in vielen Fraktionen, die sagen, dass müsste man eigentlich trennen. Darüber werden wir diskutieren. In meiner Verantwortung, allein in welcher Rolle, habe ich vor allem zwei Wünsche: Wir müssen raus aus den negativen Schlagzeilen und wir wollen dafür eine saubere Sacharbeit abliefern. Das bedeutet, dass die Dinge, die kritisiert wurden, ausgeräumt und verbessert werden müssen, um dann wieder in eine normale Arbeitsweise zu kommen. Auch hier bin ich den Kolleginnen und Kollegen in den Standorten und Häusern außerordentlich dankbar, dass sie in dieser schwierigen öffentlichen Lage tagtäglich in der Arbeit ihr Bestes geben. Aber jetzt muss es darum gehen, die Spitze des Hauses vernünftig aufzustellen und wieder in die Arbeitsfähigkeit überzugehen.

Wie könnte das aussehen?

Kroder: Die Frage ist, wer Verwaltungsratsvorsitzender wird. Es spricht einiges dafür, diese Funktion künftig neu zu besetzen. Aber das besprechen wir in aller Ruhe.

Noch mal zurück zur Personalie Nawratil: Steht zu befürchten, dass aufgrund der Zweitmeinung die Schadensersatzforderungen an den Bezirk in die Höhe schnellen werden?

Kroder: Diese Zweitmeinung – die ich auch komplett gelesen habe – erhöht unsere Aussichten vor Gericht jetzt nicht unbedingt. Vermutlich wird es auf einen Vergleich herauslaufen. Aber das hat letztlich der Richter zu entscheiden. 

Fragen: Sebastian Linstädt E-Mail

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