Mittwoch, 21.11.2018

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Auch nach 80 Jahren bleibt die Erinnerung

Etwa 250 Menschen kamen zusammen, um der Opfer der Pogromnacht zu gedenken - 09.11.2018 16:00 Uhr

Mit musikalischer Begleitung vom Marienstraßenorchester gedachten rund 250 Fürther den Opfern der Reichspogromnacht. Sie jährte sich heuer zum 80. Mal. © Foto: Michael Müller


Eingeladen dazu hatten die Stadt, das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus, Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde und der Kirchen heuer bereits am 8. November. Der Grund: Am Freitagabend beginnt im Judentum der Sabbat, also der Ruhetag, an dem auch keine Veranstaltungen besucht werden dürfen. Für die Vorverlegung des Erinnerungstags dankte der Fürther Rabbiner Jochanan Guggenheim den Organisatoren.

Wie alle anderen Redner rief er dazu auf, das Gedenken an das dunkle Kapitel in der deutschen Geschichte zu erhalten. "Wir müssen der Pflicht der Erinnerung nachkommen, auch wenn zwischen den Ereignissen und heute 80 Jahre, also drei Generationen, liegen", sagt Yukhym Mashevskyy, erster Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Fürth. Das Deutschland von 2018 dürfe nicht das Deutschland von 1938 werden, gibt er als Mahnung mit und prangert an, dass heute noch oder wieder Polizeischutz für deutsche Synagogen nötig ist. Auch Anja Schmailzl vom Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus mahnt, dass einer Studie zufolge 20 Prozent der Deutschen Vorbehalte gegenüber Juden hätten — und dass diese nicht mehr nur Nazis seien, sondern Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Notwendiger denn je sei deshalb das Gedenken an die Geschehnisse von 1938.

Dem schließt sich auch Oberbürgermeister Thomas Jung an, der Unverständnis darüber äußert, wie die Pogromnacht auch in Fürth stattfinden konnte, der Stadt, die so stark auch von jüdischen Bürgern geprägt gewesen sei. "Ich freue mich, dass in Fürth inzwischen wieder jüdisches Leben stattfindet", so Jung.

Den Ort zu kennzeichnen, wo früher die Synagogen standen, dafür plädiert der evangelische Dekan Jörg Sichelstiel in seiner Rede. Mit einem besonderen Pflaster oder einem Modell könnte man hervorheben, wo die jüdische Gemeinde ihr Zentrum hatte. "Erinnerung gibt Kraft und schafft Identität", sagt er.

Zum Abschluss spricht der Rabbiner das Totengebet und den Kaddisch, eines der wichtigsten Gebete des Judentums.  

Gwendolyn Kuhn

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