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Projekt für Geflüchtete überraschte am Erlanger Poetenfest

Acht junge Menschen berichteten über ihre Erfahrungen - 29.08.2017 15:00 Uhr

Sprache als wichtiger Schritt zur Integration: Die Workshop-Teilnehmer im Botanischen Garten. © Georg Pöhlein


"Malak ist frei – und sie soll es auch bleiben." Die junge Frau aus Syrien hat den letzten Satz ihres Textes in der dritten Person geschrieben. Als ob sie immer noch etwas überrascht auf sich selbst blickt. Was sie dabei sehen kann?: Ein zierliches Mädchen, staunend in einer neuen Heimat. Ein Land, in dem Männer in der Küche mithelfen, Mädchen Fahrrad fahren und ihre Meinung sagen dürfen.

Im Rahmen des Poetenfests haben sich unter dem Motto "Ankommen in Deutschland" acht junge Menschen zusammengefunden, um mit der Übersetzerin Larissa Bender und dem dem syrischen Autor Hamed Abboud über sich und ihre Erfahrungen Texte zu verfassen. Nun sie sitzen auf einer Wiese im Botanischen Garten vor ein paar Dutzend Neugierigen, halten Mikrofone in der Hand und sind sichtbar nervös. Kein Wunder. Die meisten haben jenseits der Schule oder eines Tagebuchs noch nie Texte geschrieben, die dann auch noch vorgelesen werden sollen. Doch Abboud und Bender gelingt es schnell, die Unsicherheit beiseite zu wischen. "Heute sind wir hier alle für euch wie eine große Familie."

Aufmerksam und bewegt hört das Publikum zu, wenn beispielsweise immer wieder von der Dankbarkeit berichtet wird, die diese jungen Menschen den Deutschen gegenüber empfinden.

Fast alle hoffen irgendwann einen Beruf ergreifen zu können, mit dem sie anderen Menschen helfen können. Sei es nun als Arzt, Erzieherin oder Ingenieur. Im Idealfall, in der alten Heimat — wenn dort endlich wieder Frieden herrscht.

Es geht viel um Wünsche und Träume in den kurzen Texten, die zum Teil auf Arabisch verfasst und dann übersetzt wurden oder gleich auf Deutsch entstanden sind. Zudem rücken die Besonderheiten in den Fokus, die in Deutschland auffallen. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit — aber auch seltsame Ringe in der Nase und der erstaunliche Alkoholkonsum der Menschen. Oder — passend zum Poetenfest: "Das deutsche Volk besteht aus Bücherwürmern."

Dem Literatur-Nachwuchs ist der Spaß anzumerken. Und Bender und Abboud staunen mit dem Publikum zu Recht über das eine oder andere Dichter-Talent. Auch die Poetenfest-Macher sind — trotz großem Organisationsaufwand — von der Wichtigkeit dieses Beitrags zur Integration überzeugt. Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist fest angepeilt. 

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