Montag, 17.12.2018

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Erlangen: Eine Chorgemeinschaft erfüllt vom weihnachtlichen Geist

Das gelungene Festkonzert zum 35-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir in der Herz-Jesu-Kirche - 06.12.2018 15:00 Uhr

Das souveräne und präzise Solistenensemble in Herz-Jesu. © Harald Sippel


Es war ein besonderes Konzert, musikalisch herausragend, menschlich voller Wärme. Ja, der weihnachtliche Geist hat – theologisch gesprochen – an diesem ersten Adventssonntag Ausführende und Publikum gleichermaßen erfüllt.

Es gibt keinen Höhepunkt, nur Höhepunkte. Eine gewaltige Chorgemeinschaft bildet sich unter der Leitung von Norbert Kreiner eigens für dieses Festkonzert aus dem Kirchenchor Herz Jesu, dem Chorkreis St. Sebald, Mitgliedern der St. Mauritius Chorgemeinde Röttenbach und dem großartigen 24-köpfigen Kammerchor aus Wladimir. Letzterer fällt nicht nur durch seine visuell erfrischende Jugendlichkeit auf, sondern hebt das stimmliche und klangliche Niveau erheblich.

Festlich ist dieses Konzert durchweg. Schon mit Marc-Antoine Charpentiers "Te Deum" wird ein besonderer Auftakt gesetzt. Hell strahlt nicht nur die allseits bekannte Fanfare der völkerverbindenden "Eurovisionshymne" mit hübscher Sinnhaftigkeit zum deutsch-russischen Städtepakt-Jubiläum mit klarem, strahlenden Trompetenton. Der barocke Glanz durchzieht das gesamte, abwechslungsreiche Werk, das Wirken aller Ausführenden: Das Solistenensemble (Eva-Maria Helbig, Elisabeth Böhnert, Johanna Sander, Christoph Kessner, Manuel Krauß) meistert seinen Part souverän, klangschön mit dem präzise musizierenden Kammerorchester von Herz Jesu Erlangen. Die Wechsel zwischen Solisten und Chor klappen gut, durchgängig ist der barocke Fluss, zügig-festlich der Gesamteindruck.

Still wird es, als der Kammerchor Wladimir fünf wunderbare Chorsätze von Roman Ledenjow ("Geliebtes Land"), Pawel Tschesnokow ("Der Engel ruft"), Sergej Rachmaninow ("Pantilej der Heiler") und Georgij Swiridow ("Die Morgenröte erklingt") sowie das russische Volkslied "Oh, du weite Steppe" singt. Es wird immer stiller: Mucksmäuschenstill ist es in der vollen Kirche, so schön singen die 13 Frauen und elf Männer des russischen Chores. Innig und voller Wärme leuchten die glasklaren Stimmen, die Soli sind berührend, die Beweglichkeit und Frische herzerfreuend, die Artikulation offenbart – auch für Sprachunkundige – die Schönheit der russischen Sprache. Die Disziplin, die Präsenz und die unglaubliche dynamische Bandbreite sind vorbildlich.

Dieses Erlebnis ist der fantastischen, genauestens agierenden, jungen Chorleiterin Tatjana Grin zu verdanken. Das ist greifbare Andacht, unmittelbares, großartiges, musikalisches Erleben! Das Publikum reagiert euphorisch, zwei Zugaben sind das Minimum.

Humorvoll, allerliebst ist das imitierte Vogelgezwitscher der ersten Zugabe (Georgij Swiridow: "Jeder Kuckuck fliegt nach Hause"), niveauvoll musikantisch die zweite folkloristisch anmutende Zugabe (Georgij Swiridow: "Mein kleiner Garten"). Welch’ ein Chor, welch’ ein Fest, welch’ eine Partnerschaft!

Das bindet, das macht dankbar gegenüber allen Initiatoren und Helfern dieser Partnerschaft. Es ruft in die Pflicht, sich für diese Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir einzusetzen. Das ist mehr als Eurovision, das ist humanistische Weltvision!

Solchermaßen euphorisiert ist die zu selten aufgeführte "Cäcilienmesse" von Charles Gounod ein weiterer, angemessener Programmpunkt. Friedlich und mit tragenden Sopranhöhen eröffnet der Kyrie-Satz. Vielfältig sind die Gloria-Teile. Sie reichen von ergreifender, schlichter Schönheit des "Gloria in excelsis" über sprichwörtlichen Glanz und Gloria hin zu innigen solistischen Abschnitten des "Domine Fili" bis hin zu einer Dramatik, die an Verdi gemahnt. Vorherrschend ist aber, der Beifügung "Feierliche Messe" entsprechend, höchster, festlicher Glanz, den gut disponierte Bläser, Pauke und Harfe und der russische Kammerchor bereiten.

Von einer kurzen temporären Irritation im "Credo"-Beginn abgesehen, gelingt das Miteinander souverän. Gut werden die wechselnden Abschnitte erfasst. Beeindruckend, unterstreichend sind die dynamischen Entwicklungen etwa im "Et expecto". Innige Spannung offenbart das "Sanctus" mit der Punktierung. Makellos hell auch in den hohen Höhen ist die Partie von Sopranistin Eva-Maria Helbig.

Das Publikum applaudiert anhaltend, dankbar, begeistert. Die russischen Gäste entlassen mit "Stille Nacht", zuerst in russischer, dann in englischer Sprache. Die dritte Runde singen alle, Ausführende und Publikum vereint, mit. Advent, Advent, ein großes Licht brennt! 

SABINE KREIMENDAHL

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