Dienstag, 13.11.2018

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Nachruf: Die erstaunliche Operndiva Montserrat Caballé

Sängerin ist im Alter von 85 Jahren verstorben - 06.10.2018 13:37 Uhr

Montserrat Caballé war auch in der Nürnberger Meistersinger zu Gast - hier bei einem Konzert in der Meistersingerhalle. © Günter Distler


In Spanien galt sie als nationale Ikone, noch viel mehr in Katalonien. War sie doch nach dem heiligen Berg ihrer Geburtsstadt Barcelona benannt, jenem Kloster auf dem Berg Montserrat, wo die schwarze Madonna verehrt wird. Zusammen mit Freddie Mercury schmetterte sie anlässlich der Olympischen Spiele 1992 die wohl populärste Hymne über die katalanische Metropole in die Mikrofone: "Barcelona".

Ihre Heimatstadt benannte auch ihr Konservatorium nach der Künstlerin. Dabei mochte Caballé die elektronische Verstärkung ihrer Stimme eigentlich gar nicht. Ihre Spezialität, war es auch in größten Opernhäusern und Konzertsälen das Leise und Intime zu beschwören. Ihre Legato-Kunst, also das unmerkliche, nicht durch Atemholen unterbrochene Verbinden von Melodiebögen war unerreicht. Sie gilt als eine der besten lyrischen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.

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90 Opernpartien verkörperte sie, auch wenn die schauspielerische Darstellung sicher nicht zu ihren Stärken zählte. Aber sie ging damit selbstironisch um. Etwa in der unvergesslichen Aufführung von Rossinis "Il viaggio a Reims" in Wien 1986 unter Claudio Abbado, wo sie das Harfenspiel in der Frisur ihrer Bühnenpartnerin imitierte. Dass ein Stuhl einer "Tosca"-Aufführung am Anfang ihrer Karriere in Bremen mitten in einer dramatischen Szene unter ihr nachgab, führte zu einem ihrer berühmten Lachanfällen, die dass ganze Publikum ansteckten. 

Jahrelange Gesundheitsprobleme

Ihr Lachen, ihre zugewandtes Wesen und ihr erfrischender Humor machten sie auch zu einer beliebten Entertainerin. Ihr Optimismus und ihre ansteckende Lebensfreude waren umso bemerkenswerter als sie seit früher Jugend unter ein Stofffwechsel-Krankheit litt, die sie zu einem vegetarischem Leben zwang. In den letzten Jahren war sie zudem an den Rollstuhl gefesselt. Dabei hatte sie ihre Karriere bis hoch in die Siebziger verlängert, gab überall auf der Welt Konzerte mit "Liedchen" wie es kokettierend nannte – oft mit ihrer Tochter Montserrat Marti an der Seite.

Damit tat die Sopranistin ihrem Nachruhm nicht nur nur Gutes, denn trotz ihrer bemerkenswerten Technik wurde die Stimme brüchig, versagten die Höhen. In dieser Phase war sie auch mehrmals in der Nürnberger Meistersingerhalle zu Gast. Verheiratet war Caballé seit 1964 mit dem Tenor Bernabé Marti, der zu ihren Gunsten auf seine Bühnenkarriere verzichtete. Der internationale Durchbruch gelang ihr 1965 als sie für die schwangere Marilyn Horne in einer konzertanten Aufführung von Donizettis "Lucrezia Borgia" in der New Yorker Carnegie Hall einsprang.

Noch im selben Jahr debüttierte sie mit glänzendem Erfolg als Margarethe in Gounods "Faust" an der Metropolitan Opera. Später wurde sie häufiger Gast an der Hamburgischen Staatsoper, wo sie viele Abende an der Seite von Plácido Domingo sang. Ein andere Tenor galt als ihre Entdeckung und sie wurde seine enagierte Förderin: José Carreras. Waren zu Beginn ihrer Karriere, die 1956 am Stadttheater Basel begann, Händel, Rossini, Bellini und Donizetti ihre musikalischen Hausgötter, entwickelte sie sich im Verlaufe zu einer herausragenden Verdi- und Puccini-Interpretin und reüssierte im Verismo-Fach.

2007 wurde sie zur Kammersängerin der Wiener Staatsoper ernannt und erhielt im gleichen Jahr den "Echo Klassik" für ihr Lebenswerk. Ein Schatten fiel auf die späten Jahre: 2014 wurde sie wegen Steuerhinterziehung von 240.000 Euro zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das wird schnell vergessen werden. Was bleibt hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez so formuliert: "Die Schönheit ihrer Stimme und die Zartheit ihres Wesens werden für immer bleiben." 

Jens Voskamp

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